Mann, oh Mann, das war letzten Sonnabend wieder ein klassischer Ausflug nach Schmachtenhagen, dem heimlichen Zentrum von Oranienburg, von dem inzwischen auch Sambamarco wohlwollend zu berichten weiß. Jente aus Köthen gestaltete seine Lesung erfrischend frei, der eine oder andere betrunkene Zuhörer seine Anwesenheit allerdings auch. Und da zwecks Session niemand außer ich ein Instrument mitbrachte, integrierte mich Mona Reloaded kurzerhand in ihre elektrische Runde, damit ich mit dem Sax bei Songs wie Kater die Parts des nicht anwesenden Trompeters übernahm, den sie sich dann und wann von OXO 86 ausborgen. Hat total gefetzt. Ihre LP „Katerstimmung“ rollt auch gut durch. Ob es zu einer Wiederholung kommt, kann ich nicht versprechen, denn in meinem Tauschobjekt findet sich der Text „Schlimmer als die Vollbartpest“, wobei es aber nicht um drei von vier Mona-Boys geht. Von der Rückwegstortour per S-Bahn tauchten einige Fotos auf, hoffentlich filmte kein Fremder.
Session, Session
Der neue KvU-Standort in der Storkower Straße ist knorke, so zwischen Polizeirevier und JobCenter, Post-Depot und Flüchtlingsunterkunft, Wachschutz-Bude und Bettenhaus. Gestern fand dort, also in der KvU, wie jeden ersten Mittwoch im Monat, eine Session statt. Für 20 Uhr war die angesagt, und wie das in diesen Läden so ist, wird ab 20 Uhr ein Schlagzeug und ähnliches aufgebaut. Ich hatte wohlwissend ein Schachspiel bei. Eine Stunde später ging es los, zwei Orchester-Jugendliche, zwei KvU-Punks, David und ick. Das Publikum war etwas zahlenstärker vertreten, aber wohl wegen dem benachbarten Kraftraum und der Volksküche dort. Wir konnten machen, was wir wollten, beziehungsweise konnten, und deshalb kommt in solchen Fällen hierzulande meistens Krautrock raus. Sessions sind kein Publikumsmagnet, aber ick sach ma: So lange in Berlin genügend Sessions stattfinden, gibt es auch Übungsräume, an deren Wände sich kein Nachbar zu klopfen traut.
Am Sonnabend steigt eine Sause in Schmachtenhagen. Jente Knibbische liest, Mona Reloaded rocken – und danach, oder vielleicht schon halbwegs dazwischen, darf jeder mit seiner Triangel und ähnlichem ran.
Buchtipp: Knut Elstermann, „Meine Winsstraße“. Persönliche, parteiische, flotte Erinnerungsschreibe. Interessante Gespräche mit Kiezlingen von anno x bis heute. Die Wins ist überall, zumindest zwischen der Tor- und Bornholmerstraße, sowie der Schwedter und der Kniprode.
Erkältung XL
Mensch, letztes Wochenende war ich total verschnupft und verschlafen, und jeder der mich am MoDiMi sah, legte mir nahe, die Woche zuhause zu bleiben, dünner zu werden. Habe also nur ein wenig Schreib- und Lesekram erledigt. Werde mit Jan von Im Ich im April im Goldenen Lachshirsch auftreten, einer geheimen Trinkhalle in Charlottenburg. Auf die 20. und letzte Lange Buchnacht im Mai in Kreuzberg habe ich aber keinen Bock. Diese Veranstaltung fand ich bis vor fünf Jahren dufte, nun dürfen ehrgeizige Jungsche die Sache lustig zu Ende bringen.
Hier noch einige Blitzrezensionen, ursprünglich für ein Fußballforum, über die Werke befreundeter Schreiberlinge: Fußballfibel 1.FC Magdeburg von Jente Knibbiche. Guter Mann aus der geteilten Stadt Köthen (HFC/FCM). Is mir vor einigen Jahren aufgrund seines fetten Fanzines „Fußball, LSD und anhaltinische Lebensart“ positiv aufgefallen. Geht darin oft sehr eigen um einsame Pfade in Osteuropa, so wohl auch in seinem aktuellen Buch „Außenlinien“. Mit seiner FCM-Fibel jedenfalls rockt er nach Art dieser Willmann-Reihe durch die Jahrzehnte, also auch sehr authentisch durch die ´90er, als nur drei Leute zum FCM gingen und Fortuna Magdeburg sich anschickte die Nummer 1 der Stadt zu werden. Fan-Kultur pur kommt nicht zu kurz. +++ Fußballfibel RW Erfurt von Matze Klaß. Ziemlich umtriebiger Knackwurstligamann aus Eisenach, is auf Poetry Slams und Wartburgfestivitäten gut unterwegs. Wohl einer der literarisch brillierensten unter den Autoren dieser Reihe, schreibt aber immer noch für´s Volk über thüringische Ausflüge nach Hessen, Bayern usw. Der BFC ist als seine heimliche Liebe zu erkennen. +++ Whiskys der Welt von Charles Maclean. Fettes buntes Hardcover-Nachschlagewerk über 650 Whiskys aus aller Welt. Gute Lebenshilfe für schmale 20 Euro. +++ Fußballfibel Hansa Rostock von Sambamarco. Hab ick grad in der Mangel, find ick bisher jut. Mit Hansa in Köln, Empor-Urschleim in Lauter. Gegen Küsten-Vokuhilas hab ick eijentlich nur wat, weil die wat jejen Buletten haben.
Smile
Nun also auch Mark E. Smith von The Fall, er ist gestern mit 60. Jahren auf dem Rockbuckel von uns gegangen. Ein großer Inspirator seit über drei Jahrzehnten. Herrlich, der mürrische Gesang, hypnotisch der ewige Beat. The Fall, irgendwie die größte Band aus einer Postpunk-Nebenstraße, immerhin ein Global Player, den aber selbst viele fitte Leute nicht auf dem Schirm hatten. Solche ´80er-Jahre-Songs wie Mr. Pharmacist, L.A. oder Hit The North knallen immer noch. Die 2005 veröffentlichte LP „Fall Heads Roll“ stellt so was wie den Nach-Milleniums-Zenit von Mark & Co. dar. Ich habe The Fall zwischen 1990 und 2010 fünf bis achtmal erlebt. Im Loft, Maria am Ostbahnhof, SO 36 … Es war immer großartig, aber man wusste, dass Mark so mir nichts dir nichts die Bühne zu verlassen pflegt. Machte er nicht. Berlin war immer ein gutes Pflaster für den Mann aus Manchester. 2016 habe ich das Konzert im SO 36 verpasst. Sein Sprechgesang soll inzwischen so anstrengend gewesen sein wie die letzten Alben. Der Gute war ziemlich runtergerockt, YouTube zeigt mehr als man sehen will. Nach dem nicht unerwartet eingetroffenen Abgesang dürfte er nun in Frieden ruhen. Smile.
Gesundes Neues!
Nachträglich. Und auch sonst: Ich bin endlich 53. geworden und habe von meinem Neffen eine Flasche Whiskey bekommen, die nach einer meiner ewigen Lieblingsbands benannt wurde. Daraus trinke ich bestimmt demnächst mit Samba-Marco einen Schluck, weil er das Single-Büchlein so dufte und persönlich besprochen hat: Wortgewaltige Streifzüge. Danke. Meine derzeitige Whiskey-Top-3: Bowmore, McClealland´s, The Pogues.
31.12., 19:00 …
… die Jahresendfeier habe ich schon hinter mir, da ich vorgestern mit Schulle auf´m Konzert war, im Bi Nuu bei Die Liga der gewöhnlichen Gentlements. Ich kannte die nicht, hatte voreilig zugesagt und diese Band auf´m letzten Drücker nur etwas auf YouTube kurz studiert. Nervte mich eher. Schulle hatte schon Karten, also hin. Beim Konzert wirkte diese öffentliche Feier der Liga sofort ansteckend. Flottes Publikum, volles Haus. Auch der Gesang war topp, vor allem aber der Mann am Basssaxofon! Mann, das hätte ich am liebsten geklaut. Ich habe bei The Oppressed an selber Stelle ja schon geübt, als die Waliser vor ihrer Zugabe ewig nicht zurück kamen, da flitzte ich kurz auf die Bühne und stahl zwei Band-Bier. Eine warme Brühe war das, dank der Scheinwerfer. Nun gut, das Sax wechselte nicht den Besitzer. Werde in so ein Teil erst dann einen Großteil meiner Finanzen stecken, wenn mir mein derzeitiges Tenorteil abhanden kommt. Habe jedenfalls noch den volksnahen Rock´n´Roll-Vize-King Sedlmeir & Co. getroffen, so dass es im OBE feuchtfröhlich weiter ging. Bin sehr auf sein Musical mit Ahne gespannt. 2018 im BKA. Naja, 31.12., habe heute halbwegs fleißig an was Neuem geschrieben, werde am 1.1. pünktlich und nüchtern weiter machen.
Altes Jahr, gutes Jahr
Man soll die 365 Tage sicherlich nicht vor Silvester loben, aber ich behaupte trotzdem schon mal: 2017 war ein gutes Jahr. Seit dem 2.1. habe ich einen Job bei dem im Großen und Ganzen alles stimmt. Im Frühjahr kam es zur wohl schönsten Veröffentlichung aus dem Hause Gläsernikov & Im Ich, auch wenn wir erfahren mussten, dass 42 Texte mit 5 Songs für 12,90 nicht so locker zu verkaufen sind wie zum Beispiel 33 Texte ohne Musik für 19,99. Andererseits habe ich die bisherigen Veröffentlichungen über kurz oder lang absetzen können. Es geht immer so weiter. Weihnachten haben wir auch überstanden. Ich schenkte mir am heiligen Abend ein Schleimkeim-Konzert in der KvU, das taten 222 andere Menschen auch. Fragt nicht nach Bewegungsfreiheit. An Mikro und Schlagzeug agierte ein authentisches Stimmwunder, dessen Organ dem vom verblichenen Otze sehr nahe kam. Dass Schleimkeim nach meiner Erinnerung keine neuen Songs boten, störte schon deshalb nicht, weil sie nicht einmal ihre Gassenhauer „Ata, Fit und Spee“ und „In der Kneipe zur trockenen Kehle“ spielten. Das war kurz vor Ultimo also das Konzert des Jahres. Viel gab es auch nicht. Slowdive? Nie gehört. Meine persönliche Schallplatte des Jahres 2017 ist eine aus 2012, die gleichnamige Debüt-LP von Kadavar. Ihre vor einigen Tagen veröffentlichte „Rough Times“ hängt noch in der Testschleife, aber mindestens „Die Baby die“ ist ein großer Song. Meine Solo-Lesung des Jahres absolvierte ich in Hannover beim SV Arminia. Mit Unterstützung von Jan von Im Ich war es in Schmachtenhagen sehr schön. Oi! Das tollste Fußballspiel war das DFB-Pokalding zwischen dem BFC Dynamo und Schalke 04, welches achtbar mit 0:2 ausging. Ich habe mir aber viele Heimspiele gespart, weil man sich beim BFC zu sehr mit Union beschäftigt. Vor allem ging mir der beschissene Tor-Jingle bei den 3:0 und 5:0-Siegen gegen Leipzig & Co. auf den Sack. Man spielt von einem schönen Schlager die moderne Kirmes-Version und der Großteil vom Volk nölt dazu „Scheiß Union“, ausgerechnet immer dann, wenn unsere kleine Dynamo-Welt gerade halbwegs in Ordnung ist. Sportlich läuft es ja, trotz der enteilten Cottbuser Kombo, und auch wenn unser Kanonier Rufat Dadashov vermutlich bald in eine höhere Liga abwandert. Habe gehört, er könnte Hansa von der 3. in die 2. Liga ballern. Mein Rock´n´Roll-Verein des Jahres heißt Altona 93. Sportlich als Regionalliga-Nord-Neuling zwar am Tabellenarsch, aber bei jedem Heimspiel mit zwei Skapunk-Vinyl-Single-DJs am Start. Toller Verein, der könnte eigentlich kollektiv nach Big Pankow delegiert werden.
Tipp für heute, 21 Uhr 30: LSD – Liebe statt Drogen, mit einigen Stammkräften und den Gästen Jancinta, Meikel und mir.
Huhu!
Am kommenden Sonnabend gibt es eine sicherlich spannende Jahresfeier in der ziemlich duften Kulturkaschemme Baiz, und zwar unter dem Motto „Märchen“. Ich werde wohl als Poetenzwerg gehen und so aussehen wie immer. Viele werden das tun, sogar die Leute, die keine Zauberkarte haben und an der Pforte gnadenlos abgewiesen werden. Kumpel Flo, der mir die Karte klar machte, meinte, er kommt als Zeckenhoolzivi. Na gut, ich ziehe jedenfalls zur Feier des Tages die schwarz-weiß karierten Hosenträger an. Sagt man neuerdings so, anziehen; früher, als der Bezirk noch Baiz-los war, wurden die einfach rumgemacht. Ich könnte auch als „Märchenonkel“ gehen, mir das Morrissey-Shirt anziehen und einen Alu-Hut basteln und aufsetzen. Der Herr singt auf seinem neuen Album ziemlich eindimensional gegen die „Propaganda der Hauptstraßenmedien“ an, und dann erst das Spiegel-Gespräch, aus dem viele Blätter abgeschrieben haben, aua. Trotzdem ist „Low In High School“ ein Top-Album des Jahres, hier und da sogar mit angemessen eingesetzten Bläsern. Für einen textlichen und musikalischen Kracher halte ich vor allem I Wish You Lonely. Und der Text von All The Young People Must Fall In Love passt meiner Meinung nach besser auf die Musik von When You Open Your Legs. Außerdem entdeckte ich dieser Tage erst den hübschen Revelation-Sampler, mit eher unbekannten Songs von vor 25 Jahren. Leute, mir geht es gut, auch wenn meine Firma in finanziellen Schwierigkeiten steckt; aber ein Namensvetter und Kollege meinte, wir gehen erst pleite, wenn der BER eröffnet wird. Schön. Die nächsten zwei Wochen zelebriere ich meinen Urlaub in Berlin, werde mich herumtreiben, zum Beispiel am 8.12 . im Goldenen Hahn, wo die neue Ausgabe von Saufen aktuell per Lesung vorgestellt wird. Bin nämlich das erste Mal in dieser kompetenten Fachzeitschrift. Der vorhersehbare Erfolg wird am 14.12. im Baiz wiederholt.
Ansonsten: 9.12., mit dem Sax bei der Session bei Ernst im Wedding; 26.12., mit Zetteln bei LSD.
