Was macht eigentlich Terry?

22. Mai 2019

Die Älteren erinnern sich, ich hatte vor fast 20 Jahren eine Geschichte über Terry geschrieben, dem Mitbetreiber vom Schall & Rauch-Plattenladen in der Winsstraße, dem Kreuzritter der Kommunikation. Nun, er lebt und legt auf, trinkt Brause und tritt im Radio auf. Schön.

Die abgespeckte Version der langen Buchnacht war übrigens ziemlich dufte; zuerst mit Flo im Blauhaus als Akteur, später mit Hinz & Kunz im Goldenen Hahn als Fan. Die Lesung am Sonnabend mit Samba-Marco wird eine gelungene Symbiose. Ick lese ditt erste Mal in Neukölln!

Wo jeht´s hier zu McDonald´s?

18. Mai 2019

Flo und ich werden uns heute rechtzeitig in Kreuzberg herum treiben, um das Bundesliga-Finale zu kucken und einige Lange-Buchnacht-Kollegen zu besuchen, bevor wir ab 20 Uhr das Blauhaus rocken. Eintritt umsonst, Bücher teuer.

Im Osten jab´s nüscht, nich ma Lesungen

17. Mai 2019

So um 1987 sickerten in meinen Freundeskreis in Prenzlauer Berg einige Fanzines aus West-Berlin ein, bewerkstelligt von Trevor Wilson, Max Goldt & Co. Ich und mein Staubsauger – für mich ein kleiner Urknall. Im Osten nahm ich keine Lesungen zur Kenntnis, aber im Sommer ´89 ging ich rechtzeitig zur Lesung in die Alte Pumpe in Schöneberg, wo Max Goldt und Wiglaf Droste auftreten sollten. Einige Hundert Leute werden drinnen gewesen sein, ein Dutzend Zuspätkommer kuckten durch die großen Fensterscheiben. Hatte was von Popkonzert. So mussten Lesungen ablaufen. So um 2000 herum war Wiglaf einmal zu Gast bei unserer Chaussee der Enthusiasten, damals noch im Keller der Tagung, im Cube Club. Prima besucht war unsere wöchentliche Veranstaltung sowieso immer, aber an dem Abend sahen einige Fans bestimmt nichts von der Bühne; wir strengten uns wohl noch ein bisschen mehr an. Ich glaube, Wiglaf fand Lesebühnen eher doof, aber bei uns war er nett und fleißig. Dass so einer plötzlich geht, hat man nicht wirklich auf dem Schirm; so einer war doch schon vor einem da und müsste auch länger bleiben.

Tipp: Die Nachrufe in junge Welt, Tagesspiegel und taz lesen.

Liebe Leipziger …

10. Mai 2019

… es soll, wie ich vom berühmten Autoren Florian Ludwig heute Nachmittag mitten im Big Pankower Schienenersatzverkehr telefonisch erfahren habe, in der Messestadt ein Plakat geben, auf dem ich für die morgige Sause von Roter Stern Leipzig als Gastleser angekündigt werde. Das ist nett, aber falsch, wegen communication breakdown und so. Flo ist allerdings wirklich morgen in Leipzig am Start, bestimmt liest er einige meiner Texte erfüllt er alle Erwartungen. Feiert diesen rassigen Ex-Rathenower! Ich bemühe mich, im anstehenden Jahrhundertsommer bei euch aufzukreuzen, da es zum 20. vom Stern einige Feierlichkeiten geben soll. Flo will mir übrigens ein Plakat mitbringen. Also das zur morgigen Veranstaltung, obwohl es mich auch freuen würde, wenn ich nachträglich eines dieser Plakate zur Sause aus dem Sommer 2004 bekommen würde, wo es um die EM oder so ging, auf dem nicht nur ich angekündigt wurde, obwohl ich deutlich abgesagt hatte, sondern auch Vladimir Kaminer; ja richtig, der Russendisko-Wladimir, falsch geschrieben, haha. Und falls ihr euch etwas für Marco und mich und sehr für Rasenballsport Leipzig interessiert, wir lesen vor dem DFB-Pokalendspiel in Neukölln. Vielleicht trage ich dort mein heißes Altona-Trikot.

Zugabe: Wappen uff Facebook.

Alles neu macht der Mai

23. April 2019

Habe gestern kurz über ein Werbetextchen für unsere Beteiligung an der Langen Buchnacht gegrübelt und die Lösung gefunden: Einfach Kompanion Flo damit belasten, und siehe da, er kann´s. 18. Mai, ist noch ein bisschen hin. Bis dann sind vielleicht sogar meine 3.000 Zeichen für das Wappen-Buch in der Zeitung verewigt. Hier schon mal …

Wappen und Wunder

Hardy Grüne, der Mitherausgeber des Fußballquartalsmagazins „Zeitspiel“, legt ein Werk vor, in dem sich über 1100 von Thomas Senftleben und Andreas Ziemer gezeichnete Fußballvereinswappen finden. Es galt, historische Vorlagen auszugraben und zu restaurieren; von jahrzehntelanger Vorarbeit ist die Rede. Zu den 128 Vereinen aus aller Welt, davon etwa die Hälfte aus Deutschland, finden sich zumeist Doppelseitenbeiträge. Hardy Grüne beschreibt, was die jeweiligen Vereinsoberen bewogen haben wird, ein vor über 100 Jahren geschaffenes Wappen immer wieder zu ändern. Es gab viele verschnörkelte Zeichen, bei denen sich so manch Kreativer frei entfaltete. Oft mussten sich im neuen Wappen auch Hinweise auf die Beteiligten der Fusionen wiederfinden. Später wurden filigrane Details wegrationalisiert. Man versachlichte nicht nur die Wappen vom FC Bayern oder Borussia Dortmund, damit sie weltweit als Marke wiedererkannt werden. Auch wenn es scheint, als seien einige Wappen schon vor Ewigkeiten in Stein gemeißelt worden, so besaßen viele Vereine über die Jahrzehnte zehn verschiedene Symbole. Beim MSV Duisburg oder Hannover 96 waren es sogar 16. Trotzdem ließ man während manchem Spieljahr auf dem Trikot das Emblem einfach weg, ohne den Volkszorn auf sich zu ziehen. Wurden vor wenigen Jahrzehnten kleine Veränderungen noch beiläufig auf höherer Vereinsebene durch gewunken und kaum bemerkt, lösen heutzutage derartige Manöver eine Fan-Revolte aus; wie beim VfB Stuttgart, wo das Gründungsjahr 1893 vorübergehend durch den Städtenamen ersetzt worden war. Dieser Schritt wurde per Mitgliedervotum rückgängig gemacht. In Wolfsburg wünschen sich viele Fans die Rückkehr der Zinnen auf dem geschwungenen W zurück. Bei Hertha BSC fand sich über Jahre die Dopplung des Städtenamens im Wappen und um 1974 erinnerte der Schriftzug der alten Dame eher an eine Diskokugel. Zu einer wahren Blütezeit für  Wappenänderungen kam es im Osten Deutschlands um 1990. Auch Rechtsstreitigkeiten zwangen zu kreativen Ausbrüchen. Dass aber nicht immer ein gelernter Grafiker am Werk war, erkennt man an manchem Emblem, dass, so bunt in bunt und filigran es sein mag, aus der Ferne nur wie ein dunkler Fleck wirkt. Hardy Grüne meint, das Erscheinungsbild des Emblems sei für so manchen Fan mitentscheidend, mit welchem Verein er stärker sympathisiere. Man kann sich einen Spaß machen, indem man einen Großteil der jeweiligen Doppelseite abdeckt und nur ein Wappen zeigt, um erraten zu lassen, um welchen Verein es sich handelt. So firmierte Chemie Leipzig für ein knappes Jahrzehnt als SC Lokomotive und hatte im Gegensatz zum 1. FC Lok Leipzig auch mal eine Lok im Wappen. Die Prager Rivalen Slavia und Sparta wiederum führten jeweils achtmal einen markanten roten Stern mit sich. Ähnlich sah es bei Roter Stern und Partizan Belgrad aus. Auch die vermeintlich traditionsbewussten Engländer lieferten viele Kuriositäten ab. Dieses Werk macht nicht nur amtliche Heraldiker neugierig auf einen Nachfolger.

„FUSSBALLWAPPEN“, Hardy Grüne, Verlag die Werkstatt, 224 Seiten, Hardcover, 24,90 €.