Der Eisenacher Weg

Meine erste Rezi zu einem Handball-Buch, nämlich das von Ikone Ursinus und Freund Klaß, heute in der Zeitung junge Welt.

Die 1945 in Meißen geborene Handballlegende Hans-Joachim Ursinus erlebte alle DDR-Jahrzehnte als Spieler bzw. Trainer und viele damit verbundene Wirren. Anfangs interessierte sich der kleine Achim ausschließlich für den Sport, aber nicht für das Klavier oder die Politik. In der Schule vermittelte ein alter Lehrer den neuen Stoff, dennoch schnellte dessen rechter Arm einmal unvermittelt hoch. Im Frühjahr ´59 ging Achim zu 9 Uhr 30 zur Konfirmation und zu 10 Uhr 30 zur Jugendweihe. Doch Probleme bekam er erst, als seine Schwester in den Westen ging. Die Mitwisserschaft konnte im Gefängnis enden. Achim, der angehende Spitzensportler, blieb heimatverbunden. 1961 lief er als 16jähriger die 100 Meter in 11,2 Sekunden und bekam dafür als DDR-Bester eine von Walter Ulbricht unterschriebene Urkunde. Dennoch wurde er für ein Medizinstudium abgelehnt. Während seiner Ausbildung zum Krankenpfleger begleitete er Krebspatienten. Diese Tätigkeit lehrte ihm Demut. Bald darauf brachte er es zum Sportstudenten an der DHfK Leipzig, der Deutschen Hochschule für Körperkultur. Eine Kaderschmiede, damals der erfolgreichste Verein der Welt. Bis 1989 holten die DHfK-Sportler 93 olympische Medaillen und 136 mal Gold bei der einen oder anderen WM. Doch auf der DHfK ging es für ihn erst einmal mit dem Kollektiv auf den Kartoffelacker, um den Bauern bei der Ernte zu helfen. Solche biografischen Brüche machen das Buch auch für Leser interessant, welche es nicht so mit dem Handball haben. Matthias Klaß, der Eisenacher Slam-Poet und Mitautor, dürfte einen großen Anteil am Gelingen dieser sportlichen Karriereschilderung haben. 1966 holte Ursinus als Spieler mit dem SC DHfK den Europapokal der Landesmeister. Als er Mitte der ´70er nach Eisenach wechseln wollte, um dort als Trainer der weniger geförderten Betriebssportgemeinschaft Motor etwas aufzubauen, welche 1958 völlig überraschend DDR-Meister wurde, waren die Funktionäre des Deutschen Handballverbandes komplett dagegen. Er sollte einem der privilegierteren Sportclubs erhalten bleiben. Man versuchte ihn von den dortigen Bedingungen zu überzeugen, von den besseren ärztlichen Untersuchungen und Behandlungen. In der Oberliga hatten die großgewachsenen Talente gefälligst in Leipzig, Berlin, Rostock oder Magdeburg zu spielen. Bei der BSG Motor sah man sich gezwungen, den Eisenacher Weg zu gehen, und mit kleineren, möglichst technisch versierten Sportlern, wenigstens die Klasse zu halten. Ursinus wurde 1974, mit nur 29 Jahren, Spielertrainer bei Motor. Im Buch konnte die sportliche Dramatik längst vergangener Spiele wunderbar erfasst werden. Die Motor-Männer waren Volkshelden, mit denen sich die örtlichen Politiker schmückten. Doch als eine angekündigte Würdigung der BSG-Leitung nicht stattfand und die darüber enttäuschten Spieler aufbegehrten, landete selbst Ursinus nach dem Raport kurzzeitig an der Produktionsfront des Wartburg-Werks. Es kam zu regelrechten Handballschlachten, vor allem im sozialistischen Ausland, wo nicht nur die Zuschauer in den DDR-Sportlern so was wie Nazis sahen. 1980 ging es in Moskau im Finale der Olympischen Spiele gegen die Vertretung der Gastgeber. Während des 23:22-Sieges wurde der legendäre DDR-Torhüter Wieland Schmidt so offensichtlich wie permanent von einem Fotografen geblendet, ohne dass jemand Einhalt gebieten wollte. Als Ende der 80er bei der BSG Motor, erstmals im DDR-Handball, etwas Videotechnik eingesetzt wurde, beorderten die Funktionäre selbige umgehend nach Berlin. Ursinus´ Werdegang wird bis in die Gegenwart hinein begleitet. Nachdem der gefragte Mann einige einst große Vereine aus den alten Bundesländern trainierte, wie den VfL Günzburg oder MT Melsungen, landete er 2006 in Eisenach, wo die BSG Motor inzwischen ThSV hieß. Er war wieder einmal als Retter geholt worden und erfüllte seinen Job, indem er aus den desolat auftretenden Grüppchen eine verschworene Mannschaft formte. Für Ursinus ging es über all die Jahre um die Haltung, um die Struktur und die Verlässlichkeit seiner Mitstreiter. Immer wieder galt es, die verschiedenen Charaktere zu bilden, um strukturelle Nachteile wettzumachen. Am Ende des Buchs kommen einige Weggefährten zu Wort, wobei Ursinus´ Enkelsohn Milan ein schönes Ausrufezeichen setzte.

Keules Atze wohnt am Alex

Unsere Stunde auf Alex Radio war recht munter. Ihr könnt zur Sendung Auslesen voll abschmunzeln, sie ist bis zum 1. November abrufbar.

Hört, hört, Hörfehler!

An der aktuellen Podcast-Folge bin ich einigermaßen mitschuldig. Als der Staat verschwand, blieb der Verein. Habe zwei Stunden mit dem Macher Nick per Headset kommuniziert, dabei einen halben Liter Wasser getrunken und nach 90 Minuten keine Luft mehr bekommen. Doch wer die Sendung bis dahin hört, wird den Rest auch verkraften. Oder um im Sinne von Christoph Schlingensief zu argumentieren: „Es müssen mehr Proleten ins Fernsehen und auf die Bühnen. Die können alle nicht sprechen, die sind authentisch.“ Für vorher und hinterher, also was das Hören dieser Sendung betrifft, empfehle ich Mozzers aktuelle Single-B-Seite. „Isle of dogs“. Der alte Mann, voll in Form!

P.S.: Kommenden Sonntag bin ich ab 16 Uhr für eine Stunde bei Max´ Sendung Auslesen auf Alex Radio zu Gast.

Schnell noch …

… zwei, drei neue Texte schreiben, für das heutige Kantinenlesen, selbige wegwerfen und einige alte Texte raussuchen. Wird schon. Hauptsache die Haare schön und die Obertrikotage flott – und nach dem Auftritt zu Jans Geburtstagssause. Der Herbst ist ein Fön.

Willkommen im Oktopusober

Vor drei Tagen haben Nick Kaßner und ich tatsächlich über zwei Stunden per Kopfsett kommuniziert. Er fand es gut, ich muss aber noch 20 mal drüber schlafen, um es klar zu kriegen. Am 21. Oktober soll die Sendung auf selbige gehen. Hört doch bis dahin eine ältere Folge vom Hörfehler, oder ab kommenden Mittwoch die dann aktuellen knapp anderthalb Stunden zum Fußball in Buenes Aires. Lohnt sich. Ich bekam vorab einen Special-Link. Es geht um die Identifikation mit dem Stadtviertel und die sozialen Strukturen rund um die verschiedenen Vereine. Ach ja. Kommenden Donnerstag bin ich bei den Brauseboys zu Gast. Kommt vorbei, bringt eure einsamen Schwestern mit.

Als wir „Eisenfuß“ gedachten

In der endlich herausgekommenen Nummer 5 des BFC-Zines Der Pionier findet sich eine neue Folge meiner Kolumne „Opa erzählt vom Sieg“. Darin geht es um den Serienmeister aus Hohenschönhausen, Lok Leipzig, Lutz Eigendorf … Könnt ihr im Anschluss lesen. An eine Rezi zu „Der BFC war schuld …“ haben die Jungs der Banda Invicta sich nicht rangetraut, aber immerhin einen Beitrag zur Buchvorstellung am 3. Juni für die Nachwelt fabriziert und versprochen, eine Besprechnung nachzuliefert. Es läuft, langsam aber stetig. Sehr schön, dass die tapferen Hannoveraner Herren vom Zeitspiel mein Werk abfeiern, zumal das Magazin nur alle paar Monate erscheint und sich zwischen den Ausgaben immer ein furchtbarer Berg an Fußballbüchern ansammeln dürfte, den zumindest ich nicht checken wollen würde. Die Rezi gibt es auch auf Facebook. Danke Frank. Seit heute findet sich auch ein großartiger Beitrag eines guten Bekannten und immernoch Verbündeten aus der Schweiz im Netz. Ich grüße und danke Daniel vielmals! Und wenn es im dritten Anlauf klappt, und das wird es natürlich, fabrizieren Nick aus dem Saarland und ich in den kommenden Tagen eine Folge für den Hörfehler-Podcast. Toll. Und sonst? Im Bötzowbuch-Laden, in der Bötzowstraße 27 in Prenzlauer Berg, gibt es mein Werk mit Kritzelselbstportrait und Signatur.

Als wir „Eisenfuß“ gedachten

Opas unter sich, Willy und ich. Wir sitzen vor der schönen Fußballkneipe Libero, in der Karl-Lade-Straße in Lichtenberg, nahe Hohenschönhausen. Bestes Nicki-Wetter. Wir trinken Kaffee und Schorle. Die Sonne knallt, Bier muss jetzt nicht sein. Willy grüßt viele Leute, sie grüßen ihn. Unsere Plauderei über die Achtziger wird oft unterbrochen. Sitze ich mit dem heimlichen Bezirksbürgermeister am Tisch? Er meint, er wohne hier schon ewig. Nun ja. BFC gegen Lok Leipzig, das war doch immer fett, oder? Erzähl mal! Sportlich agierten beide Vereine auf einer Ebene. Krawalltechnisch war es auch immer brisant. Wenn die Gästeanhänger per S-Bahn auf der Schönhauser Allee einfielen, lief es nicht wie sonst. Die Messemännchen zeigten sich nicht schüchtern. Sie erschreckten auf der Magistrale auch das fußballferne Volk, welches seine Einkäufe erledigte und nichts vom krassen Termin im Sportpark an der Mauer wusste. Willy erzählt, er hätte mit seinen Leuten die Lokis empfangen und zurück auf dem S-Bahnhof jagen wollen, doch die kamen prinzipiell entgegen, und da ging es für seine Leute dann und wann schlecht aus. Ok, sowas wie Unentschieden oder Siege gab es auch.

Willy kommt aber schnell auf die Gegenwart zu sprechen, er hängt im Gegensatz zu vielen von uns nicht zu sehr in der Vergangenheit. Das kann er als langjähriger Nachwuchstrainer der U 16 II auch nicht. Einer seiner Söhne spielte seit jeher beim BFC, elf lange Jahre. Da es bei unserem Verein keine U18-Mannschaft gibt, wechselt er nach langem Zögern zu Eintracht Mahlsdorf. Für die U 17 zu alt, für die Männer zu jung. Da denkt so manch langjährige Nachwuchshoffnung des BFC an das generelle Aufhören. Keine U 18 beim ehemaligen Dauermeister, diese Leerstelle ärgert Willy ungemein und den Grund dafür konnte ihn bisher niemand plausibel erklären.

Wie er damals die Spiele gegen Lok Leipzig erlebt hätte, will ich wissen. Vor allem das im März 1983, dem ersten Heimspiel nach dem plötzlichen Tod von Lutz Eigendorf, genannt „Eisenfuß“, dem einstigen BFC-Spieler, der immerhin sechsmal für die Nationalmannschaft der DDR auflief. Nachdem er im März ´79 beim 10:0 über Sachsenring Zwickau sein letztes Tor für den angehenden Meister erzielte, blieb er nach einem „Internationalen Vergleich“ beim 1. FC Kaiserslautern. Nach der dafür üblichen einjährigen Zwangspause seitens der UEFA spielte er für die Pfälzer und wechselte knapp drei Jahre später zu Eintracht Braunschweig. Über die genauen Umstände wird rund um jedem Todestag in den Medien schwadroniert, jeweils ohne neue Erkenntnisse. Jedenfalls gab es im März 1983 nach der Hiobsbotschaft um Lutz das Spiel gegen Lok, und währenddessen plötzlich einige Fans, die am Zaun ein Banner anbrachten: „Wir trauern um Eisenfuß“. Welch brisante politische Solidarisierung mit einem Republikflüchtling! Sogar mit einem von Erich Mielkes Lieblingsspielern. Es heißt, Stimmungskanone Lutz habe auf einigen Dynamo-Feiern zur Akustik-Gitarre gegriffen und so einige Spieler und Funktionäre unterhalten. Der Minister soll diesen eigensinnigen Vereins- und Staatswechsel sehr persönlich genommen haben. Vor allem Lutz´ Auftritte im Westfernsehen waren für Erich totale Alptraumminuten. Ich frage Willy, wie sie das Banner reingeschleust hätten? Ganz normal mit reingenommen, sagt er. Die Ordner hätten eher selten wirklich kontrolliert. Ich denke, es war trotzdem keine Situation, in der man auf das Glück vertrauen möchte. Das Banner wurde im Laufe des Spiels an den Zaun angebracht und hing wohl einige Minuten schräg gegenüber der Ministertribüne, bis die Funkgeräte zu glühen anfingen und die oftmals vereinzelten Staatsbediensteten mit und ohne Uniform von verschiedenen Seiten angerockt kamen. Die über diese politische Aktion bis dato uninformierten Fans verteidigten das Banner, und zwar jeder nach seinen Möglichkeiten. Es half ja schon, wenn man einem Bullen kurz im Wege stand oder im Gedränge ein Bein stellte. Das Banner verschwand in der Menge. Nach Willys, und später auch Lennons, Erinnerung, gab es keinerlei Festnahmen. Es wird vermutet, dass sich im Gewühl einige ranghöhere Stasis befunden hätten, die möglicherweise angeordnet hätten, diese Fußballrevolte nicht zum großen Politikum machen zu wollen. Sportlich befand sich der zu jener Zeit vierfache Meister seit dem 8. Spieltag auf Platz 1. Am 17. Spieltag wurde der FC Lokomotive vor 14.000 Zuschauern mit 2:1 geschlagen. Nach dem Rückstand zur Halbzeitpause trafen Rainer Troppa und Frank Rohde für den BFC. Die Duelle gegen die Tabellennachbarn waren durchaus spannend, auch wenn die Schlusstabelle anderes vermuten lässt. Am Ende verbuchte der BFC 12 Punkte vor dem Vizemeister FC Vorwärts Frankfurt/Oder. Es folgten Jena und Lok. Was für Zeiten!

Ob im Jahn-Sportpark jemals wieder ein Stadion stehen wird, in dem der BFC sich Hausherr nennen darf? Willy plädiert für den Ausbau unseres Stadions im Sportforum Hohenschönhausen, oder wenn dort nichts möglich sein soll, für ein Stadion in der Buschallee. Das Gelände dort sei noch halbwegs unsere Gegend und man könne sich baulich noch frei entfalten. Dass das Mommsenstadion gar nicht ginge, sah man neulich beim Berliner Landespokalfinale. Bloß nicht!

Und wie war das damals gegen Lok nach dem Spiel? Um 1983 gab es doch diese fast schon traditionellen Begleiterscheinungen. Die Auswärtsfans aus Rostock, Halle und sonst woher fuhren mit der S-Bahn zum Ostbahnhof, um dort dem Fernzug zuzusteigen. Die BFC- Fans folgten eine S-Bahn später. In der Mitropa kam es regelmäßig zum Aufeinandertreffen. Das war gegen Lok nicht anders, oder? Er gibt mir recht. Lok war eine harte Nummer. Die haben sich immer gestellt. Nun gut, so ungefähr wird es gewesen sein. Wir ordern uns jeweils eine sonnige Schorle. Willy zeigt lachend auf die kleine Kreuzung, einige Meter von uns entfernt. Da uff de Straße hab ick och schon jelegen, als die Ordnungshüter mich aus de Wohnung jeholt haben.

Gönn´ dir Gdansk

Da ich unweit der Danziger Straße wohne, musste ich endlich mal für einige Tage in die polnische Stadt an der Ostsee. Hat sich voll gelohnt, der Besuch vom Solidarnosc-Museum auf dem Gelände der Werft, der Badetag im Nachbarstädtchen Sopot, und überhaupt war jeder Spaziergang frei von jeder Begegnung mit irgendwelchen Psychos. In Polen läuft derzeit so einiges besser als in Deutschland, behaupte ich mal. In Berlin darf am 20. September eine der Parteien gewählt werden, die keine Probleme lösen. Verdammt! Ich höre gerade den Podcast Hörfehler, die aktuelle Folge, in der es um den Serienmeister der Herzen geht. Nick Kaßner befragt Stefan Wellgraf zu dessen Sachbuch „Staatsfeinde“. Heute Abend gehe ich zum Derby BFC Dynamo gegen Tasmania und werde es nicht übertreiben, denn morgen Vormittag befragt mich Nick eine Stunde zu meinem aktuellen Werk.

Furios!

In der September-Ausgabe des Magazins 11 Freunde wird die Neuauflage von Der BFC … kurz und knackig besprochen. Die Geschichten seien „durchgehend furios geschrieben, und manchmal geht es auch um Fußball“. Darauf fallen auch die Mädchen rein. Danke Christoph Biermann. Welch spannende Zeiten. Ich habe mich nach 25 Jahren durchgerungen, mal wieder meinen Führerschein zu nutzen und etwas Auto zu fahren. Gut, dass ich, bevor ich demnächst im Urlaub den alten Benz von meinem Sohn zu lenken gedenke, in meinem Kiez zweimal 80 Minuten mit einem Fahrlehrer absolviere. Diese Nachhilfe fühlt sich nicht wie eine Auffrischung an, eher wie ein Neuanfang. Von außen sieht der PKW wie ein gewöhnliches Fahrzeug aus, von innen aber hier und da wie ein Mondfahrzeug. Wo es kurz nach dem Millenium noch Schlüssel und Knüppel gab, die es zu drehen und zu bekämpfen galt, finden sich heute unscheinbare Knöpfe; kleine unscheinbare schwarze Knöpfe inmitten der schwarzen Amaturen. Es ist ein Schaltwagen, immernoch. Der Fahrlehrer meinte, ich sei eher ein Automatik-Typ. Weil ich auf das Gaspedal trat, wie ich es von meinen Radpedalen gewohnt bin. Nun ja. Einmal 80 Minuten habe ich hinter mir, am Montag folgt die zweite und letzte Sause. Ich bin mir aber schon sicher, dass ich mich weder in Danzig noch sonstwo im benachbarten Freundesland hinter das Steuer setzen werde. Dass ich aber mal in einem Automatikauto von Bernau nach Oranienburg fahre, will ich noch nicht pauschal verneinen. Gar nicht mal so einfach ist übrigens auch das Bass-Gitarre spielen. Da muss man richtig zupacken, über mehrere Bünde nahezu gleichzeitig. Da wird der kleine Finger bald zum Daumen. Ich habe mir vorsichtshalber nicht gleich für 500 Euro irgendwas gekauft, sondern Verstärker und Bass geborgt, um nach der eventuellen Aufgabe nicht dauernd ein instrumentales Mahnmal meiner Fehlinvestitionen im Zimmer betrachten zu müssen. Ich habe nämlich festgestellt, dass so einige Sänger einen Bass besitzen, den sie gar nicht spielen wollen. Zum Beispiel mein Ex-Pin-AG-Kollege David, der bei Freiraum singt, und der BFC-Kumpel Stefan von The Szyslaks. Und das Wissen um das Spielen, das bekommt man heutzutage dank youtube geschenkt. Schöne neue Welt, jawoll. 

Er ist wieder da

Die Älteren von euch erinnern sich vielleicht, beziehungsweise ist es den Besitzern der „Mauerbau“-Ausgabe von 2002 eventuell aufgefallen; da waren Geschichten drinnen, die so illustre Namen tragen wie „Von Sammelalben für Streichholzmutation“, „Die SPD müsste mal wieder eine Revolution machen“ oder auch „Adolf war ein großer Maler“. Diese Dinger mussten weichen, zugunsten der mehr oder weniger neuen Fußball-Texte. Für Leute, die vor allem die Adolf-Geschichte feierten, gibt es hier einen Trost-Link zu einem der besten Filme aller Zeiten: „Er ist wieder da“. Und sonst so? Wie läuft der Verkauf der 2026er Ausgabe? Also vor etwas über 20 Jahren hatte der BFC eine dreistellige Zuschauerzahl, von meinem Debüt ging aber ziemlich flott eine vierstellige Anzahl an Exemplaren weg. Heute ist es umgekehrt. Das liegt auch daran, weil viele Buchhändlerinnen und Buchhändler zuerst auf den Verlag kucken, welcher das Werk rausbrachte. Die Namen der Marktführer sind ihnen geläufig, zumal die sich in den Filialen die Plätze gekauft zu haben scheinen. Die Mäuse-Verleger stören nur. Scheiß Vielfalt. Jedenfalls gibt es mein Buch „Der BFC war schuld am Mauerbau“ im Sportforum am Stand der Banda Invicta. Es läuft irgendwie. Meinem Ex-Fanzine-Kollegen und Immernoch-Kumpel Gordonix habe ich neulich vier Exemplare vertickert. Drei von euch bekommen je ein Exemplar zu Weihnachten. Ich wünsche mir LPs von Caspar Brötzmann Massaker und grüße Bürlinski, den Schreiberling der ersten Rezi auf Amazon.

Heraus aus dem Fußball-WM-Endrundenloch

Nachdem ich mich während der letzten Jahre bei den Lesebühnen rar machte, war ich am letzten Dienstagabend bei Liebe statt Drogen im Schokoladen Mitte zu Gast. Hat mir gefallen. Den Leuten wohl auch. Besondere Vorkommnisse? Ja. Am Sonntag geht es bei der Reformbühne Heim & Welt flott weiter. Zusammen mit musikalischen Gästen und vertrauten Stammautoren. Allesamt sehr zackig. Und für einen Freitag dem 13. kam auch ein Termin rein. Anderes Stadtbezirksende. Periplaneta Café. Olé!

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