Mir geht´s super

21. März 2020

Corona-Tagebuch, Teil Minus 3: 7. März. Hertha wird gegen Bremen spielen, interessiert mich, gehe aber nicht hin, weil se nich nur in Italien wegen dem Virus nich mehr spielen, sondern auch in Dänemark nur noch ohne Publikum voll ein absportlern. Italien und Dänemark liegen nicht in Asien. 58.000 Leute pilgern trotzdem ins Berliner Olympiastadion. Ich gehe auch nicht zum BFC Dynamo, der Serienmeister der Herzen hat spielfrei, da der Gegner Rot Weiß Erfurt „plötzlich“ pleite ist.

Teil Plus 2: Vorerst letzter Lokalbesuch. Habe mit Samba-Marco und Skiffle-Micha in der Volkskammer für ein Buchprojekt über Michas Zeit beim Armeesportklub Vorwärts geredet. Prenzlauer Berg & Wedding in den ´50ern, großes Kino.

Teil 4: Freitag der 13. Ein voller Kulturkalender für die Katz´. Aus der Literaturveranstaltung im Hahn wird nix, aus der Geburtstagssause in der KvU auch nicht. Der Bundesligaspielbetrieb wird eingestellt. Das Regionalligagerumpel Lok Leipzig gegen BFC stand nur wegen der Platzverhältnisse auf der Kippe und wurde deswegen am 11. abgesagt. Halleluja!

Teil 7 bis 500: Die Leute reden sich ein, irgendwas könne in unseren Schlaraffenlandkaufhallen knapp werden. Stehe wie jede dritte Werktagsmittagspause bei Netto vor dem Backwarenregal. Das wird wohl jeden Tag gegen 8 Uhr 8 und 14 Uhr 14 reichlich bestückt, ist gegen 12 Uhr also „nur“ zu einem Fünftel voll. Zwei Klopapieridioten stehen glotzend und brabbelnd davor: „Öööh, aaaallet ausvakooft.“

Teil 9: Obwohl noch vier WC-Rollen da sind, lagert schon eine volle Packung im Bad. Ein fremder Wohltäter klemmte sie mir hinter den Fahrradsitz. Mein Sohn und ich wollen auch für unsere Nachbarin einkaufen gehen. Sie braucht glücklicherweise nur zweimal Quark, denn ihr Rewe-Runner ist noch rüstig. Lese nur noch Corona-Tagebücher von Leuten, mit denen ich schon im Puff Stadion, auf Konzert und in der Kneipe war.

Teil 10: Habe gutgläubig eine Fake News weiter geleitet, wonach ab Montag dem 23. März für Berlin die Ausgangssperre verhängt wird. Sorry, Freunde. Tippe trotzdem auf den Montag, an dem Bornemann Geburtstag hat und Kneipentechnisch billig davon kommen wird.

Teil 11: Die neue Morrissey-Scheibe ist ganz solide, habe mir wegen seiner kruden Faxen aber nur die CD für 15 geholt, nicht die LP für 25. Das Werk wird hier und da niedergemacht, ich halte es aber mit den Stuttgarter Nachrichten.

Teil 12: Habe Karten für Hertha gegen Union, muss jetzt los …

Pro Grundeinkommen

15. März 2020

Es ist ja nicht nur so, dass die dieser Tage ohne Aufträge da stehenden Selbstständigen nicht alle in der Flaschensammlerszene ihr Heil finden können, denn selbst die alten Gewieften unter den Flaschensammlern können ihre Terminkalender mit Konzerten und Sportveranstaltungen knicken. Deshalb: Grundeinkommen jetzt!

All Coronas Are Bastards

12. März 2020

Das Baiz war schon eine halbe Stunde vor dem Beginn unserer Stullenshow sehr gut besucht, so dass wir eher anfingen, was die meisten von uns auch nicht kannten. Hat gefetzt, wird wiederholt. Jan meinte, sein Lieblingsessen wären Nudeln mit Tomatensoße. Ich sagte, mir wäre oft nach Pilzpfanne. Das war gelogen. Ich habe neulich sogar zwei Tüten Nudeln besorgt. Für meine Verhältnisse ein Hamsterkauf. Eigentlich faste ich am liebsten, allerdings nicht oft. Das letzte Mal so in den ´90ern. Man hat plötzlich so viel Zeit. Nix mehr mit einkaufen, kochen, essen, abwaschen … Der Tag hat 26,5 Stunden. Nun ja, dank dem Corona-Wahnsinn und dem in der Luft liegenden Hausarrest rückt die nächste Fastenzeit irgendwie auch näher. Ist so, wenn man keine Vorbereitungen für den Untergang getroffen hat. In meinem Bilderbuchkiez habe ich übrigens erst eine Hamsterkäuferin gesehen, im Yuppie-Rewe; so eine junge Smartphone-Madame mit roter Kappe, wie sie Nils Holgersson trägt, der mit den Gänsen davon fliegt. Die Olle hatte in ihrem Maxi-Einkaufswagen so allerlei, unter anderem drei Riesenpackungen Toilettenpapier. Wir lästerten. Aber das wird uns schon vergehen. Fasten ist kein Zuckerschlecken. Wenn der Magen knurrt, fällt es schwer, alle Geheimzahlen für die Erben aufzulisten.

Tipp für Stubenhocker: Die fünf Alben von The Police wieder entdecken.

Zwei Glühwein im Stadion, drei(?) Bier in der Kneipe

14. Februar 2020

Man war das kalt vorgestern, beim 1:0-Arbeitssieg gegen Tasmania. Das Tor fiel einige Minuten vor Schluss, wir jubelten auch, weil uns die Verlängerung im windig-eisigen Cantianstadion erspart blieb. Der BFC Dynamo steht nun im Halbfinale und spielt im Frühjahr gegen den BSC, Viktoria oder Altgruselicke. Samba-Marco verrät in seinem Bericht auch, in welcher Kneipe wir die letzten Gäste waren. Ich habe übrigens mit Merkzetteln zwecks unserer Baiz-Sause um mich geworfen. Der gefürchtete Gigor meldete sich für´s offene Mikro an. Na ja, vergisst er bestimmt. Unser Thema soll allerdings nicht schon wieder „30 Jahre Mauerfall“ sein, sondern „Essen“. Ihr müsst euch also noch mal meinen Currywurst-Text reinziehen, sowie den Wende-Blues, wo ich Sachen sage wie: „Im Westen gab´s auch Ganer, sie aßen gar nichts.“

Lesetipp: TV-Programm …

Heimaturlaub

10. Februar 2020

In den ´80ern waren wir auf dem Bau schnell dabei, wenn es regnete oder hagelte, einen Schlechtwettertag auszurufen und im Container zu bleiben. Nur die beiden Jüngsten mussten aus der Kaufhalle Bier und Schrippen ranschleppen. Es war nicht alles schlecht … Doch in dieser Woche der stürmischen Sabine habe ich sogar eine Woche Urlaub. Home Office. Habe mich schon mit der Schriftstellerei beschäftigt, ein Plakat mit irischen Poeten an die Tür geheftet und so weiter und so fort. Und für alle die nicht bei Facebook sind, eine Info auf diesem altmodischen Kanal hier: Sonnabend, 22. Februar, 19 Uhr 30. Palast der 1000 Stullen.

Lesetipp: Christian Baron, Ein Mann seiner Klasse. Arbeiterspitzenklasseliteratur aus Kaiserslautern. Liest sich schnell weg, hört sich auch rasant an, sofern man für den ausverkauften Roten Salon demnächst eine Karte besitzt.

Achtung! Achtung!

23. Januar 2020

Dass die LP des Jahres 2019 von Kadavar kam, ham Spätzünder wie ick neulich erst mitjekriecht. In dem Falle konnte man hinterhängen. Nich aber im Folgenden:

Am 1. Februar gibt die Truppe Der Moderne Man ihr erstes Berlin-Konzert seit 1982, ab 20 Uhr im Roadrunner´s in Big Pankow. Die Vorgruppe nennt sich Caliphate California. Karten gibt´s für je 17,20 im Vopo-Dodo-Laden in der Danziger. Also ick ahne schon, wen ick da allet treffe … Und die LPs „80 Tage auf See“ und „Unmodern“ gibt es zum 40jährigen endlich nicht mehr nur als Grabbelexemplare für astronomische Preise, sondern für jeweils unter 20 als Frischware.

Tor 4!

4. Januar 2020

Na, schon abgestimmt bei der Wahl vom Tor des Monats? Für den Sieger unter den Spielern gibt es eine Reise nach Mainz ins ZDF-Sportschaustudio zu gewinnen, und für den Fan, der für das Siegertor gestimmt hatte, ein Automobil, mit dem er den Spieler hin- und herfahren darf.

Lesetipp: Hans Richard Fischer – Unter den Armen und Elenden Berlins. Die Hauptstadt während der 1880er Jahre, und zwar von unten. Obdachlosigkeit, das alte Thema, leider aktueller denn je. Im Buch gefällt das Artwork, die antiquierte Rechtschreibung und diverse Ausdrucksweisen. Nichts für PC-Heinis, denn hier heißen die Geisteskranken noch Idioten.

Zwischen den Skandalen

28. Dezember 2019

Noch etwa 55 mal Schlafen, dann steigt unsere Stullenshow im Baiz, also die von Ahne, Jan und mir. Vielleicht lese ich dort einen Gästeblock-Text, den ich für Samba-Marcos FC Vorwärts-Fibel bis dahin fertig geschrieben haben dürfte und den es während der nun schon traditionellen Fibel-Vorstellungen im Baiz sicherlich noch mal auf die Omme gibt. Und sonst so? Schallplatten des Jahres, Tor des Jahres? Ich sag mal: Turbolover mit „Skins Of Metal“, Sedlmeir mit „Senioren gegen Faschismus“ und, ja doch, Morrisseys Cover-Schnitte „California Son“. Und dann schoss Philipp Schulz da noch das 4:0 gegen Bischofswerda. 2019 war kein spektakuläres aber ein stabiles Jahr, gut so, doch 2020 werde ich reich.

Lesetipp: Wolfgang Martins Buch über Holger Biege, Sagte mal ein Dichter.