Glasgow Kiss

Lebte ich in Glasgow, würde ich wohl Partick Thistle unterstützen, aber nicht wegen dem Maskottchen, oder gerade deshalb?

Generationen im Gespräch

Ein neuer Text für ein altes Blatt:

Im Vorfeld von Christophers Straßentag meinte mein Dreizehnjähriger, wir könnten da hingehen und so tun, als ob wir schwul sind. Ich wollte aber nicht so tun, als ob ich schwul bin. Er entgegnete, das sei doch besser, als wenn ich pädophil wäre. Jawoll, gab ich zu, jedoch genüge es auch, halbwegs tolerant zu sein. Außerdem wäre es mir liebsten, wenn er mit seiner Mama so tun würde, als ob, denn immerhin äße sie kein Fleisch, so wie er, seit dieser Fernsehsendung von vor zwei Wochen. Ich war vor 20, 25 Jahren schon zweimal in den CSD hineingeraten, als ich in Schöneberg lebte und an manchen Sonnabenden durch Charlottenburg flanierte; da geriet ich auf dem Tauentzien in Christophers Straßentag, in die Love Parade und was weiß ich nicht alles. Eine verrückte Zeit, in der ich einige fleischlose Monate erlebte, obwohl ich auf dem Bau arbeitete. Nie werde ich den mitleidigen und irritierten Blick des Türken im Imbiss vergessen, als ich dreckig, hungrig und verschwitzt sein Rotgrüngelbzeug zu kaufen wünschte. Jedenfalls verwies ich meinen Sohn an seine Mama, da sie besser mit seinen Experimenten umzugehen wüsste. Mein Sohn wird bestimmt ein Ganer, er isst einfach gar nichts, weil seine Vorlieben für Obst und Gemüse schon so eingeschränkt sind, und nun auch noch kein Fleisch. Seine Mama geht beherrschter damit um, sie sagt auch nie »Neger« oder »Zigeuner«. So wie ich, wenn ich ein Buch über die Entstehung des Jazz und des Blues laut lese, oder ein Lied von Alexandra oder Udo Jürgens mitsinge, von schönen Schallplatten, die ich wohl aus meinem Haushalt verbannen müsste. Von meinem Sohn wollte ich wissen, ob er endlich Hannes Hegens Digedags ausgelesen hätte, die Orient-Serie, in der der Muezzin als unehrlicher Muselmann dargestellt wird? Ich finde, es gleicht einem kleinen Wunder, dass Ritter Runkel und seine Jungs noch nicht zensiert wurden, und werde die 20 Bücher der Orient- und Amerika-Serie vorsorglich im Keller meiner unverdächtigen im Rheinland aufgewachsenen Nachbarin verstecken. Mein Sohn liest meistens die »HipHop-Juice«. Er und seine Schulhof-Gangster, sie haben sich auch über die Pädophilen informiert, nachdem von den Erwachsenen über Jahre nur kryptische Warnungen ohne Aufklärung kamen. »Geht nicht mit einem Onkel in den Hausflur.« »Steigt nicht in ein fremdes Auto!« Unmöglich, den Kindern zu sagen, dass andere Erwachsene sich anmaßen, mit fremden Nachwuchs zu kuscheln und zu ficken, und nicht zuletzt gewalttätig werden. Und deshalb dürfe eben kein kleiner Fußballer nach dem Training alleine duschen. Ich erlebte die Eltern und Trainer während einiger Versammlungen, sie stolperten lieber zum nächsten Tagesordnungspunkt, denn bei uns käme so was nicht vor, würden wir doch hoffen. Kam aber. Übrigens, beim CSD war mein Sohn mit seiner Mama nicht. Auch gut.

Webkaiser olé

Mein Kumpel namens Kaiser hat mir verraten, wie ich die Filmchen hier kleiner darstellen kann, deshalb widme ich ihm den Link und gratuliere seinem FC Vorwärts Frankfurt/Oder zum Aufstieg in die Oberliga.

Warten auf Margrethe

Meine aktuelle nd-Kolumne, eine Bemühung, Altonas Menschen zu aktivieren.

Ein Imbiss im Prenzlauer Berg nennt sich „Einstern“, ein Cafe´ in Schöneberg wiederum „Einstein“. In letzterem verkehrten schon viele Stars and Stones, vor allem David Bowie, er soll sich dort für einige Jahre herum getrieben haben; es war in Schönberg, im Monat Mai, so über die zeitliche Distanz von zwei, drei Runden, in der die Erde die Sonne umkreist. Ins „Einstein“ habe ich mich neulich gesetzt und gewartet, auf die Frau, der ich vor einigen Tagen eine Postkarte geschrieben habe; der Person meiner Hoffnung, damit diese wiederum anderen Menschen hilft; denn Dänemark ist bedroht, zumindest eine ehemals der dortigen Krone anvertrauten Stadt, beziehungsweise die weitere Existenz der Kampfbahn des dortigen Fußballclubs. Grund genug für eine Postkarte nach alter Schule, denn mit solchen Datenträgern befassen sich die Abfangjäger zwischen Berlin und Kopenhagen heutzutage nicht. Ich opferte sogar eine Postkarte mit einem Foto der Berliner Kopenhagener Straße und richtete sie an: Margrethe II., Amalienborg Slotsplads 5, 1257 Kobenhavn K, Denmark. Doch leider tauchte die fremde Frau nicht auf, zumindest nicht im Cafe, so sehr ich auch auf der Kurfürstenstraße nach ihr Ausschau hielt und mir so manche Frau besah, die dort der einen oder anderen Kutsche entstieg, denn Schöneberg gilt international als Geheimtipp, um mit den Monarchen diverse Zipperlein zu besprechen. Ich wollte nur Margrethe II., Königin von Dänemark, den Färöer Inseln, sowie Grönland und, auch wenn das umstritten ist, Altona. Ich hatte ihr in Schönschrift vermitteln wollen, dass sie sich als blaublütige Dänin mit mir treffen müsse, aber nicht in der Griegstraße in Altona, wo die roten Fahnen mit dem weißen Kreuze wehen, sondern in der Kurfürstenstraße in Schöneberg, wo der Halbmond über dem Dönerspieß blitzt. Margrethe, was ist los im einst zu Dänemark zählenden Altona, zumindest von 1664 bis, war es 1806? Weiß sie davon: Die Adolf-Jäger-Kampfbahn, die Heimstätte vom Altonaer FC 93, ist das zweitälteste Stadion, ich sage mal, Deutschlands, doch die Haupttribüne macht einen maroden Eindruck. Überall wuchern fröhlich-grüne Büsche, die Betonhäuschen am ehemaligen Eingang Ost werden von schlohweißen Birken bedrängt. Noch werden dort Oberligafußballspiele ausgetragen, doch die Fans wirken hilflos. Altonaer Agonie auf allen Aschenbahnen. In der kommenden Saison geht das schaurige Spiel weiter, danach beginnen die Baumaßnahmen, damit dort ein Wohngebiet entsteht; denn vor Jahren verkaufte der notleidende AFC 93 sein Grundstück. Von Margrethe II. erwarte ich die grenzübergreifende Güte, dem Bauherren ein Ausgleichsgrundstück auf Bornholm oder Grönland anzubieten. Ich habe im Cafe´ auf sie gewartet, vielleicht nicht ganz umsonst, denn sie schrieb mir, im „Einstern“-Imbiss gewesen zu sein. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Tipp für den morgigen Sonnabend: Kantinenlesen.

Kaufhallen-Blues

Mit dem Einkleben der Fotos, Ansichtskarten und Bus-Fahrscheine in die Alben hänge ich nur noch sieben Jahre zurück, habe nämlich dieser Tage Malta (2005), Gran Canaria (2006) und das Riesengebirge (2006) abgearbeitet, und ein Episödchen in meine aktuelle Kolumne mit einfließen lassen. Demnächst dann: Mallorca, Mallorca (2007, 2009) und Südkorea (2009).

Tipp für den Juli 2015: Kroatien.

Graues Blut

Morgen kommt Jan vom Im Ich zu mir, mit seiner Gitarre, wo ich wohne, mit meinem Saxophon. Wir werden für den kommenden Donnerstag proben, obwohl wir aufgrund unseres gegenseitigen Verständnisses glauben, schon genug drauf zu haben. Ich werde ihm vorschlagen, sein neues Lied, zu dem er mir einen Link schickte, gemeinsam zu spielen. Donnerstag: Ureinwohner sprechen – Neuberliner staunen, das ist eine tolle Losung, wahrscheinlich sogar eine für unseren Wanderzirkus. Wird ziemlich dufte im Zimmer 16, in diesem ehemaligen Kino im Herzen Pankows. Florastraße, Altbautown.

1:0

Der dynamischste aller Berliner FCs eroberte gestern Abend zum 4. Mal den Landespokal, der einmal nach Paul Rusch benannt worden war, gegenwärtig jedoch nach dem Berliner Pilsner, der aber immer die Qualifikation für die 1. DFB-Pokal-Hauptrunde mit sich bringt. Und sonst? Meine Lesebühnenwoche war angenehm anstrengend und einigermaßen erfolgreich, vor allem der Sonnabend in der Skalitzer 100. Kreuzberg rockt, ich hätte dort eigentlich meinen Bauchladen mitbringen und ein Mini-Hörbuch aufnehmen müssen, habe aber nur, wie am DiMiDo bei meinen Ostlern, Merkzettel für die Veranstaltung am 4. Juni mit Jan im Zimmer 16 verteilt, denn bei Flyer-Alarm gab es für 17,- Euro 1.000 Zettel, die es loszuwerden gilt. Hoffentlich kommen nicht so viele Leute in diese 100-Personen-Lokalität. Werde die verbliebenen 250 Zettel vorsichtshalber behalten.