von konstanz nach kroatien

Daniel, mein Verbindungsmann aus der Schweiz, spielte mir einen Link zu, den ich hier gerne weiter verbreite, auch weil er zu meinem neuen Lieblingssaxophonisten Zoot Sims passt, dessen Zwölffach-Alben knapp werden.

aufwärts

Mit einigen Lesebühnen scheint es abwärts zu gehen, was den Publikumszuspruch betrifft. Auch die Jungs von der Chaussee der Enthusiasten haben es in ihrem neuen Domizil schwer, deshalb rechnete ich für gestern Abend mit so was wie einer öffentlichen Probe vor 15 Nasen, zumal bei diesem Wetter. Doch der Frannz war gut besucht, die Schose von Andreas Kampa, der Nachtigall Jan von Im Ich und den vielen Gastautoren recht schwungvoll. Na bitte. Dem neuen Donnerstags-DJ kann man übrigens extrem vertrauen, denn er spielt interessante Musik, arbeitet in der selben Firma wie Ille and I, ist auch gewerkschaftlich engagiert und zockt nach meiner Art und Weise.

zimmerpalmen zu stadionpappeln

Meine drei mickrigen Zimmerpalmen, diese blasgrünen Krüppel, wo die verdorrten Blätter nur ein muffiges Hellbraun von sich geben, bevor sie in den Topf fallen, wo der Sand einen leichten Schimmelansatzes aufweist; diese Zimmerpalmen, die wären außerhalb meiner vier Wände besser aufgehoben, zumal es in Europa keinen Winter mehr gibt; zumindest von den Temperaturen her, nur nach den Kalenderblättern. Draußen, in den Straßen, auf den Plätzen, in den Parkanlagen, da dominiert das saftige Grün. Mir sind meine Pflanzen nur recht und billig, wie meine Wohnung, während auf der anderen Straßenseite den Bewohnern in ihren Superherbergen alles lieb und teuer scheint. Wie es mir inzwischen im Prenzlauer Berg gefällt, werde ich von anderen Ureinwohnern etwas mitleidig gefragt. Schön, ruhig und zentral ist es hier, antworte ich. Die Damen und Herren meiner Wohnungsbaugesellschaft halten die Füße still, es gibt keine Anzeichen, dass sie unser Haus aufmotzen und verscherbeln wollen. Ich lebe im vierten Stock, ohne Fahrstuhl, ohne Balkon, darauf haben die Geldgockel keine Lust. In meinem Haus leben einige Menschen seit über 30 Jahren, auch die neuen Mieter aus den alten Ländern sind leichter zu handhaben als meine Palmen; meine Pfälzerin des Vertrauens wird mich später einmal pflegen, hat sie mir vor Jahren gesagt. Viele langjährige Kumpels haben nicht solches Glück. Vater, Mutter, Kind – da genügt das Geld nicht, wenn nur die Eltern arbeiten gehen. Bei den Wohnungsbesichtigungen im Kiez sind sie als Lehrer und Heilmedizinerin die Asozialen, die sich wohl oder übel in Basdorf oder Birkenwerder ein Haus organisieren müssen. In Prenzlauer Berg treffe ich kaum noch Leute aus den ´70ern, ´80ern und ´90ern auf der Straße. Und wenn ich an einige hier Hängengebliebene denke, so könnten die mit ihrer Spießigkeit genauso gut im Umland brillieren. Der Arbeiterbezirk ist so kaputt wie der Knaackklub, weil wir alte Säcke sind, die schon in den Nullern vieles sausen ließen. Die Jugend wiederum, hat unsere Altlasten nicht nötig, die hopst ungezwungen durch alle Bezirke. Auch ich bin groß und habe lange Beine. Morgen trete ich in Kreuzberg bei einer Künstlersause auf. Der Sound des Prenzlauer Bergs, wie wir ihn aus DDR-Zeiten kennen, ballert immerhin an so manchem Wochenendtag durch die Straßen, wenn der Berliner Fußballclub Dynamo mehr Proleten anzieht als den Umstrukturierungsliebhabern in den Kram passt. Im Friedrich Ludwig Jahn-Sportpark wiegen die Pappeln ihre Kronen zu den Liedern der Anhänger, oder zu einem rockenden Kehrreim der Vier Martinis, der da lautet: „Wir kriegen unser Leben schon irgendwie Rum / wir kriegen unser Leben schon irgendwie Bier / wir kriegen unser Leben schon irgendwie Gin / wir kriegen unser Leben schon irgendwie Klarer.“ Ich bin älter als meine drei Zimmerpalmen zusammen, so alt wie manch halbstarker Baum.

18.07., 19:30 Uhr, „Sprechstunde“, Lesung & Musik mit Ivo Lotion, Robert Klages, Sofie Lichtenstein, Andreas Gläser und anderen, Hoffest in der Skalitzerstraße 100, Kreuzberg.

Ich höre Nachbarn beim Sex zu

Da Jan von Im Ich und ich uns vor Wochen auf der Bühne im Zimmer 16 mopsfidel fühlten, werden wir demnächst wohl ab und zu zusammen zu erleben sein. Und weil wir davon ausgehen müssen, dass der Weltmarkt uns noch nicht zu Kenntnis genommen hat, basteln wir dieser Tage an einem Demo-Silberling für potenzielle Veranstalter, auf dem sich unter anderem unsere gemeinsame Version von Jans Lied finden wird. Siehe auch Termine.

Glasgow Kiss

Lebte ich in Glasgow, würde ich wohl Partick Thistle unterstützen, aber nicht wegen dem Maskottchen, oder gerade deshalb?

Generationen im Gespräch

Ein neuer Text für ein altes Blatt:

Im Vorfeld von Christophers Straßentag meinte mein Dreizehnjähriger, wir könnten da hingehen und so tun, als ob wir schwul sind. Ich wollte aber nicht so tun, als ob ich schwul bin. Er entgegnete, das sei doch besser, als wenn ich pädophil wäre. Jawoll, gab ich zu, jedoch genüge es auch, halbwegs tolerant zu sein. Außerdem wäre es mir liebsten, wenn er mit seiner Mama so tun würde, als ob, denn immerhin äße sie kein Fleisch, so wie er, seit dieser Fernsehsendung von vor zwei Wochen. Ich war vor 20, 25 Jahren schon zweimal in den CSD hineingeraten, als ich in Schöneberg lebte und an manchen Sonnabenden durch Charlottenburg flanierte; da geriet ich auf dem Tauentzien in Christophers Straßentag, in die Love Parade und was weiß ich nicht alles. Eine verrückte Zeit, in der ich einige fleischlose Monate erlebte, obwohl ich auf dem Bau arbeitete. Nie werde ich den mitleidigen und irritierten Blick des Türken im Imbiss vergessen, als ich dreckig, hungrig und verschwitzt sein Rotgrüngelbzeug zu kaufen wünschte. Jedenfalls verwies ich meinen Sohn an seine Mama, da sie besser mit seinen Experimenten umzugehen wüsste. Mein Sohn wird bestimmt ein Ganer, er isst einfach gar nichts, weil seine Vorlieben für Obst und Gemüse schon so eingeschränkt sind, und nun auch noch kein Fleisch. Seine Mama geht beherrschter damit um, sie sagt auch nie »Neger« oder »Zigeuner«. So wie ich, wenn ich ein Buch über die Entstehung des Jazz und des Blues laut lese, oder ein Lied von Alexandra oder Udo Jürgens mitsinge, von schönen Schallplatten, die ich wohl aus meinem Haushalt verbannen müsste. Von meinem Sohn wollte ich wissen, ob er endlich Hannes Hegens Digedags ausgelesen hätte, die Orient-Serie, in der der Muezzin als unehrlicher Muselmann dargestellt wird? Ich finde, es gleicht einem kleinen Wunder, dass Ritter Runkel und seine Jungs noch nicht zensiert wurden, und werde die 20 Bücher der Orient- und Amerika-Serie vorsorglich im Keller meiner unverdächtigen im Rheinland aufgewachsenen Nachbarin verstecken. Mein Sohn liest meistens die »HipHop-Juice«. Er und seine Schulhof-Gangster, sie haben sich auch über die Pädophilen informiert, nachdem von den Erwachsenen über Jahre nur kryptische Warnungen ohne Aufklärung kamen. »Geht nicht mit einem Onkel in den Hausflur.« »Steigt nicht in ein fremdes Auto!« Unmöglich, den Kindern zu sagen, dass andere Erwachsene sich anmaßen, mit fremden Nachwuchs zu kuscheln und zu ficken, und nicht zuletzt gewalttätig werden. Und deshalb dürfe eben kein kleiner Fußballer nach dem Training alleine duschen. Ich erlebte die Eltern und Trainer während einiger Versammlungen, sie stolperten lieber zum nächsten Tagesordnungspunkt, denn bei uns käme so was nicht vor, würden wir doch hoffen. Kam aber. Übrigens, beim CSD war mein Sohn mit seiner Mama nicht. Auch gut.

Webkaiser olé

Mein Kumpel namens Kaiser hat mir verraten, wie ich die Filmchen hier kleiner darstellen kann, deshalb widme ich ihm den Link und gratuliere seinem FC Vorwärts Frankfurt/Oder zum Aufstieg in die Oberliga.

Warten auf Margrethe

Meine aktuelle nd-Kolumne, eine Bemühung, Altonas Menschen zu aktivieren.

Ein Imbiss im Prenzlauer Berg nennt sich „Einstern“, ein Cafe´ in Schöneberg wiederum „Einstein“. In letzterem verkehrten schon viele Stars and Stones, vor allem David Bowie, er soll sich dort für einige Jahre herum getrieben haben; es war in Schönberg, im Monat Mai, so über die zeitliche Distanz von zwei, drei Runden, in der die Erde die Sonne umkreist. Ins „Einstein“ habe ich mich neulich gesetzt und gewartet, auf die Frau, der ich vor einigen Tagen eine Postkarte geschrieben habe; der Person meiner Hoffnung, damit diese wiederum anderen Menschen hilft; denn Dänemark ist bedroht, zumindest eine ehemals der dortigen Krone anvertrauten Stadt, beziehungsweise die weitere Existenz der Kampfbahn des dortigen Fußballclubs. Grund genug für eine Postkarte nach alter Schule, denn mit solchen Datenträgern befassen sich die Abfangjäger zwischen Berlin und Kopenhagen heutzutage nicht. Ich opferte sogar eine Postkarte mit einem Foto der Berliner Kopenhagener Straße und richtete sie an: Margrethe II., Amalienborg Slotsplads 5, 1257 Kobenhavn K, Denmark. Doch leider tauchte die fremde Frau nicht auf, zumindest nicht im Cafe, so sehr ich auch auf der Kurfürstenstraße nach ihr Ausschau hielt und mir so manche Frau besah, die dort der einen oder anderen Kutsche entstieg, denn Schöneberg gilt international als Geheimtipp, um mit den Monarchen diverse Zipperlein zu besprechen. Ich wollte nur Margrethe II., Königin von Dänemark, den Färöer Inseln, sowie Grönland und, auch wenn das umstritten ist, Altona. Ich hatte ihr in Schönschrift vermitteln wollen, dass sie sich als blaublütige Dänin mit mir treffen müsse, aber nicht in der Griegstraße in Altona, wo die roten Fahnen mit dem weißen Kreuze wehen, sondern in der Kurfürstenstraße in Schöneberg, wo der Halbmond über dem Dönerspieß blitzt. Margrethe, was ist los im einst zu Dänemark zählenden Altona, zumindest von 1664 bis, war es 1806? Weiß sie davon: Die Adolf-Jäger-Kampfbahn, die Heimstätte vom Altonaer FC 93, ist das zweitälteste Stadion, ich sage mal, Deutschlands, doch die Haupttribüne macht einen maroden Eindruck. Überall wuchern fröhlich-grüne Büsche, die Betonhäuschen am ehemaligen Eingang Ost werden von schlohweißen Birken bedrängt. Noch werden dort Oberligafußballspiele ausgetragen, doch die Fans wirken hilflos. Altonaer Agonie auf allen Aschenbahnen. In der kommenden Saison geht das schaurige Spiel weiter, danach beginnen die Baumaßnahmen, damit dort ein Wohngebiet entsteht; denn vor Jahren verkaufte der notleidende AFC 93 sein Grundstück. Von Margrethe II. erwarte ich die grenzübergreifende Güte, dem Bauherren ein Ausgleichsgrundstück auf Bornholm oder Grönland anzubieten. Ich habe im Cafe´ auf sie gewartet, vielleicht nicht ganz umsonst, denn sie schrieb mir, im „Einstern“-Imbiss gewesen zu sein. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Tipp für den morgigen Sonnabend: Kantinenlesen.