prima produkt

Noch nicht mal März, aber das flotte Werk gibt es schon im Shop. Freut euch! Meine Kolumne von heute:

Berlin, Ecke Schönhauser. Dienstag, später Nachmittag, früher Feierabend. Auf den Straßen Groß-Pankows ist es angenehm dunkel, windig und nieselig. 100.000 Lichter funkeln feierlich, nur noch zehn Monate bis Weihnachten. Ich habe Zeit und Lust, um mal wieder zum Fußball zu gehen, ins Cantianstadion, und rolle mit dem Rad den Flutlichtern am nahen Horizont entgegen. Herrlich, wie die über das Altbauviertel ragen und leuchten. Sieht aus der Ferne nach einer Europapokal-Begegnung vom BFC Dynamo gegen AS Rom, AS St. Etienne, Nottingham Forest, FC Zürich oder Aston Villa FC aus. Doch die Zeiten der knappen Karten sind vorbei, heute steht ein viertklassiges Regionalliga-Spiel gegen die TSG Neustrelitz an. Ich gehe meinen 1.001 Heimspielbesuch gelassen an und treffe mich mit einigen Jungs nahe der ewigen Filmkulissendreifachkreuzung vor dem Hoolywood-Geschäft. Ein Dutzend Hände schütteln, ein Bier zischen. Schön auch, dass die allgemeine Zahlungsmoral die Kasse des Vertrauens hier immer noch am Leben hält. Ich bin nach langen Monaten mal wieder dabei, denn dank des vorherigen Arbeitsverhältnisses konnte ich die meistens Spiele vergessen. An vielen Freitagabenden war ich platt und am Sonnabend Nachmittag schon wieder auf Tour. Ich erinnere mich Hinrundentechnisch eigentlich nur an die Sonntagsspiele gegen den HSV und Lok Leipzig. Die Monate vergingen, der BFC rutschte in die mittelprächtige Region unserer Spielklasse ab; es folgte die ewige Winterpause und der Rückrundenauftakt mit den traditionellen Spielausfällen. Vor einigen Wochen vermittelte mir ein autonomer Weihnachtsmann einen cooleren Job. Nun soll auch der Ball wieder rollen, zwecks Wiedereingewöhnung lieber erstmal gegen den Tabellenletzten. Wird vielleicht ein 3:2 vor 500 Freaks. Unser Trainer ist ein Guter: René Rydlewicz. Er könnte vor dem Spiel auf ein Bier vorbei kommen, gilt er doch als belesener Mann von Welt. Die Jungs vom Hoolywood, deren Laden wir oft nur Kleiderkammer nennen, führen seit 1991 diese Institution für scharfe Klamotten, deren Ursprünge man wiederum den zänkischen Engländern zuschreibt. Länger auf der Meile scheint hier nur der Konnopke-Imbiss zu sein, doch wenn einige Filmleute sich mal wieder an der Schönhauser Allee abarbeiten, überspringen sie den Laden in der 43. Heute liegen in der Kleiderkammer Merkzettel für eine Lesung aus. Am Freitag will sich Veit Pätzug hier sehen und hören lassen. Er sorgte mit seinem Dreiteiler über die Dresdner Dynamo-Szene für einigen Wirbel und wird ab 19 Uhr aus „Schwarzer Hals, gelbe Zähne“ lesen. Ich bin gespannt auf den Literaten aus den Reihen unseres langjährigen Rivalen. Wenn wir schön zuhören, nimmt er uns mit auf seine Schönhauser-Allee-Tournee, vielleicht sogar in die Kneipe „Zum starken August“. Ich habe am Sonnabend frei, will auch nicht nach Cottbus. Auswärts ist für Angeber.

ND gelesen – dabei gewesen

Beim morgigen Kantinenlesen werden Jan von Im Ich and I als Cindy und Bert zusammen auftreten und mindestens die Nummern unserer Vinylschnitte bringen. Wird eine knackige Veranstaltung, nicht zuletzt wegen der anderen Gäste.

Zugabe: „ND gelesen – dabei gewesen.“ Die Werbebotschaft aus Urzeiten hielt sich viele Jahre und wird von älteren Lesern noch heute mit einem verschmitzten Lächeln erwähnt. Wann ich diese Zeitung das erste Mal gelesen habe, kann ich nicht sagen, doch dabei gewesen bin ich seit meiner Geburt am 17. Januar 1965. An jenem Sonntag berichtete die Ausgabe von der traditionellen Luxemburg-Liebknecht-Ehrung, wobei in einem Kommentar vermeldet wurde, das „heute keine Knüppelattacken der reaktionären Polizei drohen.“ Gleich unter dem Zeitungskopf prangt die Neuigkeit, wonach Wismut Gera in der Liga gegen Stahl Riesa 3:0 gewann. Weitere Fußballinformationen finden sich auf den zwölf riesigen Seiten nicht. Auf der Titelseite wird die Erschaffung einer 2,65 Meter hohen Bronzefigur von Professor Heinrich Drake erwähnt, die den Maler Heinrich Zille und einen namenlosen Zeitungsjungen zeigt. Oberbürgermeister Friedrich Ebert fände Zille gut getroffen, der Junge erschiene ihm aber zu verträumt. In der Ausgabe wird nicht verraten, dass diese Figuren in der Wallstraße 51, in Berlin-Mitte, stehen sollen. Der Sportteil besteht aus einer schmalen Doppelspalte und handelt vom Eishockeyspiel zwischen einer deutschen Auswahl und der zweitbesten Amateurmannschaft Kanadas, den Lacombe Rockets. Der Vergleich endete 3:4, es ist das beste Resultat unserer Jungs gegen ein kanadisches Team. Dieter Noll las im Siegmundshof, im Tiergarten, aus seinem Roman „Die Abenteuer des Werner Holt.“ Festgehalten wird: „Der Applaus konnte allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass das gesellschaftliche Anliegen des Schriftstellers nicht immer voll verstanden wurde.“ Immerhin kommt die Verfilmung Anfang Februar in die Kinos der DDR. Auf Seite 3 fragt Dr. Harald Wessel in seiner philosophischen Betrachtung, wozu der Mensch im Mittelpunkt steht und verrät, „damit man ihn von allen Seiten kritisieren kann.“ Zwei Seiten weiter heißt es, im neuen Jahr streikten schon 500.000 Werktätige. „Die USA und Westeuropa sind die Zentren der Kampfaktionen.“ Eine Reportage handelt vom Menschenhandel, wonach ein Rostocker Fischer in St. John´s, in Kanada, ein böses Erwachen erlebte, nachdem er mit einigen Kollegen in einer Nachtbar getrunken hatte. Am Morgen darauf fand er sich in einer Zelle wieder und wurde immer wieder gefragt, ob er bleiben wolle oder nicht; schließlich habe er in der Nacht zuvor seine Unterschrift geleistet und um Asyl gebeten. Der Rostocker weiß von nichts, er will nur nach Hause. Seiner Heidi schreibt er, „nie wieder im Leben werde ich einen Schnaps anrühren.“ Er reist über Southampton, Großbritannien, zurück, wo er 14 Tage verharren muss, weil die Hafenarbeiter streiken. Von Lübeck aus geht er zu Fuß und betritt bei Selmsdorf das Gebiet der DDR. Zu guter letzt bewirbt man sich selbst: „Erfolg liegt auf der Hand. Neues Deutschland – die führende Zeitung.“

stasi goreng

Bin endlich wieder im Kino gewesen, habe die „Kundschafter des Friedens“ gesehen und in meiner Kolumne beworben.

hurra!

Nachdem ein Kunsthandwerker aus Rand-Polen die letzte Jahreswende nicht verkraftete und aus unserem Projekt ausstieg, konnte Oi! The Max eine Alternative klarmachen, so dass er, Jan, Stephan, Emil und ich am letzten Dienstag in meinem Wohnzimmer mal so eben die 500 Single-Büchlein zusammen bastelten. Einige Exemplare soll es ab Anfang März im nd-Shop am Franz-Mehring-Platz geben. Die Veröffentlichungssause steigt am Freitag dem 17. März nebenan in der Jägerklause. Nach Jan und mir wird eine Band spielen, wahrscheinlich Black Sabbath. So weit, so zufrieden hoch 3. Tipp für den Februar: Warten.

Zugabe.