Wochenendschau

Anstrengend war das letzte Wochenende, erfolgreich und schön. Habe mich sehr gefreut, dass sich auf der Goyko Schmidt-Tribute-LP meine Mini-Saxophon-Parts finden, jeweils als Einstieg zu dem was dann folgt. Die 500er Auflage dürfte schnell vergriffen sein, zumal laut Oi! The Max sogar der Großteil der Knut-Kassette flott abgesetzt werden konnte; von den 200 gibt es noch cirka 30. Musste ich das Konzert doppelt feiern und mit dreieinhalb Stunden Schlaf auskommen, bevor es am Sonnabend hieß: Ab zur Schicht, zum Auftritt und zum Konzert. Hoppla he! Das Villa Kunterbunt-Fest in der Skalitzer 100 lud zum versacken ein, es war von den Bühnenhässchen her ziemlich inspirierend und das Publikum wirklich interessiert; aber wie schon verraten, die Heimat rief. Das Auswärtsspiel am Sonntag habe ich lieber verschlafen, besser so, und am Abend bei der Reformbühne ein Wasser getrunken.

Zugabe: Gläsers Globus, Teil 2: Die höchste Lesebühne der Welt.

Auf Schritt und Tritt mit Goyko Schmidt

“Morgen nach dem Feierabend, zwischen den Schichten des Freitags und Sonnabends, mache ich mich schick für den Biergarten, so als wäre ich aus der Zeit gefallen; um in den Friedrichshain zu spazieren, dorthin wo er so schön ruhig ist wie mein Prenzlauer Berg; zumindest vor dem Einbruch der Dunkelheit. Ich werde pünktlich draußen sitzen, unter einer Baumkrone. Vielleicht nieseln mir Regentröpfchen ins Bierglas und auf die Glatze. Gut so. Ich bin so jung wie ich mich kühle. Immerhin haben wir schon September, keinen Mai; jetzt tropft nicht die klebrige Substanz der Linde auf die Unterwelt. Zu vorgerückter Stunde werde ich in den überdachten Teil vom Lokal schlendern, um den ersten von zwei Wochenendauftritten der familienfreundlichen Kapelle zu besuchen, die seit 20 Jahren existiert und nun ihr Jubiläum feiert: Die Schmidts aus Berlin. Nicht die aus Manchester, welche es nur auf fünf Jährchen brachten und deren Sprache ich nicht sonderlich mächtig bin. Unsere Schmidts, diese vier teils vorlauten Jungs, die kenne ich vom Gefühl her seit einer Ewigkeit, eigentlich schon bevor sie als Kapelle namens Goyko Schmidt ihre Lieder fabrizierten. Als Kinder traten wir uns gegen die Schienbeine, bilde ich mir ein, als Erwachsene kugelten wir uns die Arme aus. Nun sind wir alte Rock´n´Roll-Köter und immernoch so cool wie unsere HipHop-Kinder. Unser Tanz ums Feuer wurde nicht während der Armeejahre oder dem Standesamtstündchen beendet. Oi!”

Aus “Gläsers Globus” Teil 1, meiner ND-Kolumne, die morgen oder übermorgen erscheint.

Prag – sehen und gehen

Nachgereicht, eine Berlin-Kolumne, geschrieben für eine Tageszeitung, unveröffentlicht, weil mit zu wenig Berlin-Bezug. Macht nix. Spielt in der letzten Sommerferienwoche. Dufte Fotos werden eventuell nachgeliefert.

Mein Zwölfjähriger konfrontiert mich seit einigen Monaten nicht nur mit der Musik, die er nicht von mir hat, er machte mir vor zehn Tagen auch einen Vorschlag, wohin wir reisen könnten. Denn kaum war er aus dem einwöchigen tschechischen Böhmerwaldferienlager mit dem Eintagesausflug nach Prag zurück, meinte er, wir könnten doch diese Hauptstadt besuchen. Alles sei so schön und billig gewesen. Oh, das waren zwei Argumente gegen die bis dato geplante Radtour an die Ostsee, bei voraussichtlichem Nieselregen und Nörgelwind. Umgehend klickte ich mich durch das Netz, um zwei Betten und einen Bus klar zu machen. Nach drei Stunden war ich erfolgreich und müde, und weil ich meinen Sohn das Fernsehprogramm bestimmen ließ, fast tot, aber reiselustiger denn je. Montag Nachmittag in Prag angekommen, in der Unterkunft für junge Leute, für die wir uns per Altersdurchschnitt qualifiziert hatten, freuten wir uns auf unsere vier Herrentage. Unsere City hieß Zizkov, wo die Ureinwohner sich einbildeten, so was wie der tschechische Prenzlauer Berg zu sein, was wir prima fanden. Prag anzugucken, das hieß für uns, die Karls- und Wenzelplatzpunkte nur dann einzuheimsen, wenn diese Bauwerke auf dem Spazierweg zwischen zwei Fußballstadien liegen würden, und das taten sie zwischen denen von Viktoria Zizkov und dem FK Sparta, wobei wir die berühmte Burg einfach links liegen ließen. Der im Zentrum gelegene Kiez unseres Zweitligisten sollte auch der Ausgangspunkt zu den Arealen von Bohemians, Slavia und Dukla sein. Deren Stadien waren unsere Moldaubrücken. Überhaupt erschien mir Prag schöner als Berlin, da die vielen Gründerzeitviertel kaum durch Neubauten verunstaltet worden waren. Prag soll Europas Hauptstadt der Boheme sein, deshalb saß ich wohl auch dem Irrtum auf, beim Erstligisten Bohemians hätte man sich bei der Namenswahl auf die Lebenskünstlerwelt berufen, doch der steht schlicht für Böhmen. Deren Stadion jedenfalls, ist ziemlich runtergerockt, genauso wie das von Viktoria Zizkov, denn von jeweils einem Meistertitel, 1928 bzw. 1983, lässt sich keine Arena mit Burger- und Bankfiliale in die Landschaft setzen, wie es bei den großen Rivalen Slavia und Sparta der Fall ist. Die Nachbarn Bohemians und Slavia existieren nur wenige 100 Meter voneinander entfernt, man schlendert sozusagen nur die „Schönhauser Allee“ herunter, um zum Stadion vom Konkurrenten zu gelangen. Klasse Kopfkino! Interessant war es im Nordwesten Prags, im Dukla-Land, welches sich außerhalb unseres Tagestouristenstadtplans befand; doch für eine Episode über den mehrfachen Ex-Meister ist hier kein Plätzchen mehr. Fußball gespielt wurde auch, allerdings auswärts oder nach unserer Abreise. Wir müssen noch mal hin. War irgendwie zu spontan.

Alles im weinroten Bereich

Noch ruhiger als das Publikum der letzten Chaussee-Show war das Völkchen vom gestrigen Kantinenlesen. Wobei mir der Donnerstag auch sonst besser gefiel, weil ich dort mit meinem Sub-Unternehmer Jan vom Im Ich an den Start ging, um etwas Musik zu machen. Ging gut aus, und nicht nur das, wir wollen uns demnächst auf einer Session herumtreiben, wissen aber noch nicht auf welcher. Ach, und Chaussee-Jochen kam am Freitag mit zur kleinen Ortsauseinandersetzung zwischen dem BFC Dynamo und der mit einigen Profis verstärkten 23er von Union. Wir haben uns irgendwann verloren, in der 99. Minute oder so, doch ich gehe davon aus, dass Jochen da schon den ersten von drei Prosatext zum Spiel verfasste. Das beste am Kantinenlesen war das Friedensbier mit Konrad, wobei wir da schon Sonntag hatten.

Ick bin nich schuld an ebay

Wenn man sich als Schreiberling für ne andere halbwegs neue Bühne interessiert, schleicht  man  sich da als Gastautor ein, und das habe ich vorgestern bei den Couchpoetos getan. Hat mir gefallen, das Lokal, die Truppe, das Programm und das Publikum. Gibt es leider nur einmal im Monat. Und vor allem habe ich neben meiner Rolle als Leser einen gefühlten Quantensprung als Saxophonist erlebt, nämlich als Begleiter vom Sänger & Gitarristen Jan von Im Ich. Wird an anderer Stelle so ähnlich wiederholt. Hurra! Und wie ich von einem Gast erfahren habe, hat er vor Jahren meine BFC-Verherrlichung für 60 Euro bei ebay ersteigert. Krass. Habe ihm trotzdem nicht meinen abendlichen Verdienst geschenkt, sondern nur 0,33 Cent vom Knut-Zine-Preis erlassen, ich Schuft. Meene olle Verherrlichung von Anfang ´99, jaja, mit der erfüllte ich für einige angehende Schreiberlinge sogar eine Vorbildfunktion, zum Beispiel für Normans Bin beim Club oder Matzes Knackwurschtliga, die ich beide empfehlen kann. Jawoll, und einen Glückwunsch nach Chemnitz obendrauf. 10:9 gegen Mainz, oh yeah!

Nächste Lesung: 28.8., Chaussee der Enthusiasten.

Fleißig, fleißig

Habe gestern mit Jan von Im Ich geübt, damit er an der Gitarre und ich am Saxofon für den kommenden Donnerstag ein flottes fremdes, sowie ein lahmes eigenes Lied vortragen können. Siehe Termine. Und für den Bratwurstdealer verfasste ich eben einen Beitrag über die Partie FCC gegen BFC, den ich aus gesundheitlichen Gründen mit Apolda Rocker unterschrieb.

Friede, Freude, Rostbratwurst

Ein Wochenenausflug nach Thüringen steht an, ich werde auf familiären Pfaden in Apolda wandeln und das fußballerische Tohuwabohu in Jena verfolgen, von weitem, aber trotzdem mittendrin. Mein Artikelchen für den dortigen Allgemeinen Anzeiger beschert mir ein Plätzchen auf der Bonzentribüne und ein Häppchen auf der VIP-Wippe. Gruß mit Zugabe.

Friede, Freude, Rostbratwurst

Nachdem der BFC Dynamo in der Vergangenheit einige Zweijahrespläne vergeigte, gelang nun der Aufstieg in die Regionalliga sehr souverän mit 34 Punkten Vorsprung; wobei der jeweilige Tabellenzweite immer mit 2:0 oder 3:0 nach Hause geschickt wurde, ohne groß im BFC-Strafraum aufgetaucht zu sein. Die Väter des Erfolges heißen u.a. Volkan Uluc, Kevin Meinhardt und Peter Meyer, die als Trainer und Sportlicher Leiter, sowie Geschäftsführer und Großsponsor die Zügel fest in den Händen halten. Die Mannschaft ist zusammengewachsen, das Geld kommt pünktlich. Der BFC hat neuerdings einige integrere Typen am Start, die Medien spielen halbwegs mit. Dass mittelfristig auch der Aufstieg in die 3. Bundesliga angegriffen werden soll, pfeifen die Spatzen von den Dächern. Doch man unterschätzt die Regionalliga nicht, bevor man in ihr angekommen ist. Für alt gediente Anhänger ist diese Liga insofern Neuland, weil sie sich mit den Wirren des Kartenkaufs für Auswärtsspiele befassen müssen. Es wird von 1.300 BFCern gemunkelt, die dabei sein wollen, obwohl dieser Knaller in die Urlaubszeit fällt. Zum FCC hat der BFC ein entspanntes Verhältnis, wenngleich Dynamo als einst meistgehasster Verein der DDR keine Fan-Freundschaften pflegt. Immerhin kam es vor Jahren unter einigen Fans beider Vereine im Sportforum zu einem Freundschaftsspiel, sowie einem Grillfest, und der FCC-Fan-Beauftragte Onkel Matze schrieb oft für das BFC-Fan-Magazin „Zugriff!“ Friede, Freude, Rostbratwurst. Die Punkte gehen nach Berlin , da das an nahezu allen BFC-Fans vorbei kreierte Maskottchen „Helmut“ vor dem Spiel und in der Halbzeitpause in der Gastgeberkabine sein Schockprogramm aufführen wird.

Macht doch mal was anderes als Electro für die Jugend

Vorgestern im Kaffee Burger, da verwunderte es mich nicht wirklich, dass die dufte Reformbühne so spärlich besucht war. Liegt wohl auch am Kaffee Burger, dass über Jahre ziemlich rockte, weil dort viele kreative Anwohner verkehrten, egal ob sie da einen Auftritt hatten. Aber gut war wohl nicht gut genug. Aus meiner Sicht begann alles vor einem Jahrzehnt mit der Hinauskomplimentierung vom DJ-Urgestein Lt. Surf und endete mit dem allnächtlichen Touristengebimmel. Vorgestern hatte ich zumindest nach der Lesung noch mit dem Mitternachtsmob gerechnet, doch das Konzert der mexikanischen Ska-Band wurde nahezu ausschließlich von den vorher agierenden Autoren gefeiert. Mal sehen, ob die Burger-Betreiber in Zukunft auf electro for the youth setzen. Interessanter fände ich so was wie Seniorenmuzak für Mitvierziger. Kaffee Burger – back to the roots, you know. Mich würden 222 weitere schöne Nächte freuen. Die Reformbühne dagegen zieht zum Septemberbeginn zum Strausbergerplatz um, in die Dachetage vom Haus Berlin oder so.