die anderen

Schön. Für Leute wie mich, die von Die Anderen nur zwei Lieder auf einer Kassette haben, gibt es diese Parocktikum-Seite.

rock die baiz

Im Baiz ist das Interesse an einer Lesung oft mini- oder maximal. Ich kenne beides und hoffe für den 4.6. auf letzteres. Der Ankündigungstext von Shanghai, Florian und mir ist immerhin kein zu kurz geratener und hoffentlich ein knackiger. Noch sechsmal schlafen, dann wissen wir mehr. Das Wetter soll zumindest mitspielen. Niesel, kühl, grauer Himmel.

ich wollte einen text …

… ohne die Erwähnung von König Fußball schreiben, es gelang bis kurz vor dem Ende: Frühjahrsputz XL

Morgen feiern wir die Jugendweihe meines 14jährigen, deshalb putze ich seit Tagen die Wohnung, als ginge es um die Kommunion eines Ahnen, obwohl ich dessen Veranstaltung aus nahe liegenden Gründen nicht beiwohnen kann. Dieses Mal komme ich mit dem Ausfegen und Staub wischen nicht durch, ich putze auch die Fenster und Türen, sowie die verwinkelten Heizkörper. Das habe ich den Schwestern und der Schwägerschaft geschworen. Immerhin haben meine Eltern das damals für mich auch getan, oder zumindest für unsere anrückende Maxi-Verwandtschaft. Ich war während meiner Jugendweihe auswärts trinken. Nun mime ich die Hygiene-Hyäne. In Bad und WC müffelt es wie in der Schwimmhalle vom Ernst-Thälmann-Viertel. Ich stehe mit krummen Rücken vor allen Regalen und puste den Staub von den Büchern hinter selbige, worauf mir schwindelig wird. Schön wäre ein Spaziergang in den Hallen des Lichtenberger Don Xuan Centers, wo es vielleicht nur noch ein bisschen nach Lack und Farbe schmeckt und riecht, nachdem dort vor über einer Woche ein Nagelstudio oder ähnliches abfackelte. In unserem Haushalt sehe ich nur Arbeit und möchte unter dem Vorwand flüchten, ein Geschenk zu besorgen. Mit einem karierten Hemd zum Beispiel mache ich nichts falsch, das ist immer kariert, nie gepunktet oder gestreift. Nur Geld rüber zu schieben, ist zu einfach. Wie viel habe ich vor etwa 35 Jahren von meinen Eltern eigentlich bekommen? 100 Mark? Auf jeden Fall Ostmark, also 30 West, oder auch 15 Euro. Die erscheinen mir zuwenig zur Jugendweihe, 15 Euro klingen nur wie ein dreizehntes Taschengeld. Die fetzen genauso wenig wie diese Entkalkungs-Tabletten, von denen ich eine in den Wasserkocher gebe, worauf eine heiße Fontaine heraussprudelt, die Elektrik lahm zu legen droht und mir einen Mehraufwand vom Wischiwaschi beschert. Ich brauche einen motivierenden Kaffee, einen starken türkischen, doch weil ich den Kocher nur einmal mit Wasser nachfülle und auf Temperatur bringe, schmeckt das Kaffeewasser ein wenig nach der Entkalkungstablette. Bilde ich mir zumindest ein, denn ich habe noch nie eine gekostet. Drogentechnisch gesehen knallt so was aber mehr als Brausepulver, fast schon wie Knisterschokolade. Nun fühle ich mich zwar porentief rein, doch ich fürchte eine Vergiftung und träufele mir den Saft einer Zitrone in den Rachen. Mein Gott, es scheint zu Ende zu gehen, obwohl ich zwischen der Jugendweihe und dem Auftakt der Fußball-Europameisterschaft noch unsere Wohnung malern will. Egal. Ich greife zur Likörflasche. Saure Kirsche. Schmeckt gut wie eh und je, auch wenn mir schwant, das die Kombination aus Entkalkungstablette und saurem Likör so was wie Tollkirschensaft ergibt.

doppelt gemoppelt

Ich habe gestern Vormittag einen Text für das heutige nd geschrieben, der den Abendspaziergang zum Thema hat, den ich nun schon hinter mir habe. Zwischen Exer und Plumpe. Ich kann sagen, meine 20 Zuhörer waren sehr nett, wenn auch nicht so wissensdurstig. Ich fühlte mich etwas zappelig, traute mich nicht, meinen Stichwortzettel vorzuholen, bekam aber alles zusammen. Sehr schön und überraschend war für uns alle, wie nett und neugierig die Leute am Gesundbrunnen auf unsere größere Gruppe Spaziergänger reagierte. Ich meine, einige hundert Meter weiter östlich, im Prenzlauer Berg, wird man nicht nach dem woher und wohin gefragt. Das Honorar war dufte. Da passt es doch prima, dass ich heute auch noch Überstunden abbummeln muss, die sich bei meinem blöden Brotjob ansammelten. Der Text …

Heute herrscht Windjackenwetter, speziell auf dem Parkhausdach vom Gesundbrunnencenter. Ein Kumpel hat mich auserkoren, den Stadtspaziergangswissenschaftler zu mimen und seinen Studenten etwas zum Fußball zwischen Exer und Plumpe zu berichten. Dafür sei ich als Ureinwohner aus dem Gleimviertel der Richtige. Mir fielen sofort zwei weitere ein, aber aus finanziellen Gründen bestätigte ich, der einzige Mann mit drei Eiern zu sein. Wir werden über den ehemaligen Exerzierplatz der kaiserlichen Truppen spazieren, wo vor etwa 125 Jahren mehrere Fußballmannschaften gleichzeitig ihre Spiele austrugen und Vereine wie Alemania 92, Tennis Borussia und BFC Hertha 1892 gründet wurden, bevor diese Fußballer andere Plätze fanden, die sie nicht mit 2.000 Freizeitsportlern aller Colour teilen mussten. Wir werden den Mauerpark entlang schlendern, hinterrücks am Cantianstadion vorbei, in dem zu DDR-Zeiten Vorwärts sechs und Dynamo neun Meisterschaften bejubelte. Es geht lustig zu Fuß zur Plumpe, was so viel heißt wie Heilquelle oder Pumpe. Wir werden vom Parkhausdach auf die Behmstraße blicken, in der die Spielstätten der über viele Jahre nahezu auf Augenhöhe agierenden Vereine SV Norden-Nordwest 1898 und Hertha BSC gegenüber lagen. Hier der Schebera-Platz von „Nordens“, dort die Plumpe der „alten Dame“. Heutzutage trägt N-NW hier auf einem bescheidenen Platz seine Kreisligaspiele aus. Auf der anderen Straßenseite stehen einige hässliche Neubauten, zu deren Füßen vier Skulpturen an das einst schönste Berliner Stadion erinnern sollen. Hausgemachte Skandale zwangen Hertha zum Verkauf des Geländes. An der Kreuzung zur Jülicherstraße zerfiel über Jahre die so genannte Hertha-Villa, die nun immerhin als Hostel betrieben wird. Wir werden hoch droben auf dem Dach, wenn auch weit unter den Wolken, vor uns hinträumen, wie es war, als hier ein Großteil der 35.000 Zuschauer den schlechten Ruf des proletarischen Nordens bestätigten, vor allem wenn die Jungs vom Tempelhofer Feld kamen. Mein Vortrag wird unterhaltsam, selbst wenn ein studentischer Querulant bemerkt, dass er sich den Stoff nur gibt, weil er irgendwie Unterricht ist; während er mit seinem Handy ein Objekt fotografiert, welches er später nicht mehr zuordnen kann. Vermutlich fällt der Kommunikationskrüppel im Moment seiner Dynamo-Stasi-Bemerkung wegen eines Lüftchens fast vom Dach, während ich auf die Flutlichtmasten vom Cantianstadion zeige und mitteile: Heute spielt dort ab 19 Uhr der BFC Dynamo gegen Babelsberg 03, und am 28. Juli oder 4. August trägt Hertha BSC dort sein Qualifikationsspiel für die Euro League aus. Die Geschichte wiederholt sich ein bisschen, das ist schön.

fc oberlausitz gegen bfc dynamo 2:6

Leider war beim BFC die Zeit mit dem Sympathikus Thomas Stratos (Ex-HSV-Spieler, später Regensburg-Trainer) als Trainer nicht von Erfolg gekrönt. Man wollte übereilt in die 3. Bundesliga durchmarschieren, ließ gestandene Spieler aus verschiedenen Gründen ziehen und wollte mit der holprigen Kombie aus alt & neu einen auf Barca machen. Doch kaum ist klar, dass das BFC-Urgestein René Rydlewicz (später Leverkusen, Rostock) seinen ersten Trainer-Job im Sportforum antreten wird, wissen die bis vor kurzem blockierten Spieler, die das Saison-Desaster mit dem Pokal-Aus beim Berlin-Ligisten SC Staaken krönten, ihre Fähigkeiten locker umzusetzen, wie beim gestrigen Kantersieg gegen den Tabellennachbarn in der Lausitz. Immerhin. Das letzte Spiel der laufenden Saison findet am kommenden Freitag gegen Babelsberg 03 statt, ab 19 Uhr im Cantianstadion.