Archiv der Kategorie: Allgemein

Nur im Böhmerwald, spielt man so Trompete

15. September 2020

Das war ein schöner Ausflug, letztes Wochenende, mit den vier anderen Herren, die dieses Restjahr auch keinen Roman veröffentlichen: Ahne, Bert, Christian und Micha. Einfach mal mit den Automobilen in die Böhmische Schweiz, gleich hinter Bautzen, um am Sonnabend bei Horny Zick-Zack 20 bis 25 Kilometer zu wandern, hoch und runter, kriechend und hangelnd. Das merke ich noch heute in den Beinen. Macht nichts, auf Arbeit wähne ich mich ja eher im Spätsommerloch, wo ich sogar zum Notizen-machen komme. Ein Dreiwortsatz Weltliteratur am Tag in der Woche ist nicht zu viel verlangt. Immerhin glauben noch einige Fans an mich. Waggy aus London hat mich in seinem zum Weihnachtsgeschäft erscheinenden Werk über die letzte DDR-Fußball-Oberligasaison im BFC-Kapitel verewigt. Und Andrin aus St. Gallen schrieb in seinem Bericht zum Regionalliga Nordost-Knaller VSG Altglienicke gegen Kosmos Auerbach nur über mein Debüt. Stark. Da lege ich doch gleich mal Franks Große Erfolge mit dem tollen Titel auf, der hier als Überschrift herhalten muss.

30, 35 Jahre danach

24. August 2020

Daniel Fröhlich kennt man nicht unbedingt als auskunftsfreudigen Gesprächspartner, wenn es um den wilden Osten der ´80er geht. Umso toller finde ich dieses Tondokument zu den anstehenden Vereinigungsfeierlichkeiten.

Etwa 300 …

14. August 2020

… dürften bei der gestrigen Demo für den Erhalt des Colosseums dabei gewesen sein. Siehe Filmchen. Es ging vom Kino über die Stargarder und Duncker zum Helmholzplatz und von dort aus bis sonst wo. Nick und ick haben uns am ehemaligen Eiscafé Spiegel, welches später immerhin noch als Café Jenseits von gut und böse ganz nett war, mit den Rädern Richtung Blackland entfernt, wo wir einen weiteren Termin hatten, von dem ich heute noch etwas knülle bin. Vor dem Jenseits jedenfalls erinnerte ich mich gerne an die Hammershows der Chaussee der Enthusiasten, immerhin Vorläufer vom Kantinenlesen. Dort traten wir einmal im Monat, insgesamt wohl zehnmal, vor etwa fünf Gästen im hinteren Raum auf, der jedoch nicht so leer wirkte, dank der klobigen Sessel. Vorne im Thekenbereich waren zumeist einige Stammgäste, die uns eigentlich gut fanden, sie seien aber immer an der Theke. Warum wir nicht vorne lesen? Um 1999 herum waren wir schwer im Geschäft, mindestens in Friedrichshain und Mitte, nicht aber in Prenzlauer Berg. Dan Richter, Jochen Schmidt, Volker Strübing, Robert Naumann, Alex alias Kurt Krömer und ick, vor gefühlt ebenso vielen Zuschauern. Wenn man vor das Café trat, sah man all die brodelnden Läden ringsum. Starke Zeiten.

Tipp: Das Interzone-Album Letzte Ausfahrt gibt es jetzt nicht nur als LP für astronomische 77 Euro, sondern auch als CD für 14.

Auf zum Colosseum

13. August 2020

Die Reformbühne neulich war eine tolle Sache. Sechs Herren ohne Damen hatten ein bisschen Werbung gemacht und schon war die stinkende Stube voll. 250 Menschen im Baiz. Punk sei Dank. Habe auf deutsch und koreanisch vorgelesen. Und sonst so? Konrad suchte übers Gesichtsbuch jemanden, der mit ihm einmal wöchentlich Ukulele übt. Habe mich darauf eingelassen und besuche ihn nun alle 7 Tage im Garten, zehn Minuten von meinem Kiez. Er fragt immer, was ich trinken will und ich antworte ehrlich; ich frage, was ich mitbringen soll, aber darauf antwortet er nie. Is besser als Keller-uffräum. Auch gut ist, dass Konrad schon ein halbes Jahr Vorsprung hat, er eine Ukulele für mich klar machen konnte und ich mit den ersten Lektionen klar komme. Ein Auftritt in Schmachtenhagen ist seit dem gestrigen Mittagsschmaus mit Oi! The Max am Senefelderplatz auch schon gebongt. Wenn Konrad und ich bis dahin nichts musikalisches zustande kriegen, lesen wir eben auf deutsch und koreanisch vor; dagegen können die Umlandglatzen gar nichts machen. Was ich eigentlich schreiben wollte: Heute heißt es ab 18 Uhr 30, für den Erhalt des Colosseums auf der Schönhauser Allee im Weg rumzustehen, oder die Gleimstraße hoch- und runterzulaufen. Soll schön regnen. Ich bin dabei. Die Kapitalisten kriegen ihren Scheiß nicht mehr alleine hin, die haben schon vergessen, dass sich der Gleimkiez nach der Wende erst so richtig umkrempeln ließ, als 1997 das Kino als XL-Ding wieder eröffnet wurde. Na gut, so´n Multiplex-Kino braucht man unweit der Kulturbrauerei sicherlich nicht, aber wie wäre es denn, wenn verschiedene kulturelle und soziale Einrichtungen unter diesem Dach unter kämen? Von mir aus kann man in diesem einstigen Pferdebahnenfuhrpark auch gerne einen Pony-Hof integrieren.

Anmelden nicht vergessen

20. Juli 2020

Für den kommenden Sonntag, dem 26. Juli, lädt die Reformbühne Heim & Welt zu einer neuen Ausgabe ins Baiz ein, wo die Maskenpflicht nach meinem Kenntnisstand auf Berlin-Brandenburger-Boden am strengsten gehandhabt wird. Man kann das Ding praktisch nur weglassen, wenn man am Tisch sitzt. Aber auf was lässt man sich nicht alles ein, um ein bisschen Lesebühnenkultur zu tanken? In den Veranstaltungsraum werden nur 20 oder 25 Fans gelassen, deshalb ist eine Anmeldung unter reservierung-reformbuehne@web.de zu empfehlen. Liest sich schlimm, ist es auch aber nicht; außerdem kann man im Willy Bresch und anderswo wieder machen, was man will; außer an der Theke herum lungern, und so weiter und so fort, et cetera pp. Vom Reformbühnenstamm sind wohl Falko Hennig, Spider und Ahne dabei, als Gäste kommen Konrad Endler, Neumi, Daniel Fröhlich und ich. Herrn Fröhlich kennt man seit einigen Jahrzehnten als Einsatz-Gitarristen, er gibt hier sein Lesungsdebüt. Nach unserer Show soll das gegenüberliegende Gotteshaus besetzt werden, von den Heiden aus Erkner-Nord, hörte ich.

26.7., P.S. : Die 25 Plätze sind seit dem 23.7. weg.

Nur Fliegen und Vögel am Tierpark …

26. Juni 2020

… zumindest auf der Höhe des 9. OGs von Marcos Neubauwohnung. Und jede Menge frischer Luft und lieber Sonne. Vor der verquatschen Lesung haben wir schön gegessen und währenddessen gut getrunken. Kann man wohl auch als Facebook-Verweigerer sehen. Wenn nicht, ist auch gut …

Balkonlesung

24. Juni 2020

Am morgigen Donnerstag soll es ab 12 Uhr eine Lesung auf dem Balkon in Sambamarcos neuer Behausung am Tierpark in Friedrichsfelde geben. Er und ick werden für ne Stunde plus x durch unsere mehr oder weniger eingebundenen Zetteleien surfen. Wie unser Experiment läuft, kann man auf dem Facebook-Kanal Zwischen den Welten hören und sehen.

Die Hosen der Toten

19. Juni 2020

Neulich ausgelesen: „Die Hosen der Toten. Das große Finale von Trainspotting.“ Ein Roman von Irvine Welsh. Teil 3. Nummer 1 in England. Originaltitel: „Dead Men´s Trousers.“ Die Insulaner sind also alleine auf den doofen Titel gekommen. Liest sich locker an, aber nicht durch. Mark „Rent Boy“ ist DJ-Manager und besorgt seinen schüchternen Global Playern Koks und Frauen. Simon „Sick Boy“ unterhält einen Escort-Service, da geht’s auch drunter und drüber zu. Erst stehen die Frauen aufrecht, dann liegen sie flach. So läuft das in Schottistan. Die geilen Stellen sind eher so ungeil wie ARD und ZDF. Habe ich mitunter kursiv gelesen, auch mal überblättert. Bei all den Minikapiteln bekommt man aber schnell raus, welche 300 der 470 Seiten mehr versprechen. Man will ja wissen, wie die Verfilmung ungefähr aussieht. Ziemlich prima: Habenichts „Spud“ Murphy wird in den internationalen Organhandel eingeführt, doch den Behälter mit der Niere aus Osteuropa lässt er im Flugzeug während eines Toilettengangs unbeaufsichtigt. Der Behälter fällt runter, öffnet sich, sein Hündchen Toto beginnt zu knabbern. „Spud“ wird dieses Organ ersetzen müssen, mehr oder weniger freiwillig, und so nehmen ihm seine Freunde eine Niere heraus, nach youtube-Anleitung, irgendwo am Alex. So lieben wir Trainspotting, Part 3. „Franco“ Begbie, der alte Fiesling, lebt inzwischen mit Familie friedlich und glücklich in den USA, macht auf Kunst und verdient ordentlich. Sehr schön, wie er seine drei langjährigen Freunde dazu bewegt, ihre Köpfe mal so eben eingipsen zu lassen, damit er die Abdrücke der Leith Boys für eine Unsumme auf dem Weltmarkt verhökern kann. Doch während der Gips aushärtet, geht er ins Nebenzimmer telefonieren. Er vergisst seine Freunde, die zunehmend in Not geraten. „Spud“ bekommt durch die Strohhalme nicht genug Luft in seine Koks-verschnodderte Nase, so dass er blind und panisch gegen seine eingegipsten Kumpels knallt. Ein Highlight welches schon im Filmtrailer auftauchen dürfte. Irgendwann stirbt „Spud“ so ziemlich nebenbei, ohne dass das eine Kapitelüberschrift wert ist und für die Story viel bedeutet. Dafür heißt ein anderes Kapitel „Brexit“, ohne dass jemand eine Meinung zu irgendwas hat. Immer wieder viel Fickyfuckydrugyvollegal. Irvine Welsh lässt seine glorreichen Vier zum Pokalfinale zwischen den Rangers und den Hibs gehen, wo sie auf der VIP-Tribüne hocken. Es könnte nach 114 Jahren wieder mit einem Triumph klappen. Und siehe da, das rasante Spiel wurde 3-2 gewonnen. Dass die Fans des Underdogs den Platz stürmten und Feindkontakt hatten, hält Irvine mit nur wenigen Sätze fest. Wahrscheinlich saß er im Pub, während das britische Fernsehen die unschönen Bilder unterschlug. Immerhin ging das TV wieder auf Sendung als Spieler und Fans ihre Hymne Sunshine on Leith ziemlich beeindruckend sangen. Begbie wird beim Thema Gewalt nur einmal rückfällig, als er nachts auf der Straße zwei Streithähne ermahnt, sich nicht so softy zu prügeln, bis er beide niedermacht. Ein Kapitel, wie eine Vorahnung auf das eigentliche Finale. Wird Begbie seine Kumpels killen? Oder wenigsten die Geschäftsstelle der Rangers niederbrennen? Nichts dergleichen. Tote Hose. Egal. Der Film wird gut.

Zugabe: Mein Schottland-Wochenende, 2010.