Meinen Ausflug in den von Napoleon an die Schweiz zugespielten Konstanzer Stadtteil Kreuzlingen verbuche ich als Erfolg. Ich habe in einem Irish Pub gelesen, der hieß Hörnli, benannt nach dem angrenzenden Dosenbierdealerplatz. Ja, im Pub war es voll und gut, dank Daniel, dem Propagandachef vom FCK-Fanzine Grenzstadtkurier. Er hatte die lokale Whiskykurve dorthin gelotst, die zwischen Radolfzell und Winterthur die wohl reisefreudigste und körperbemalteste Gruppierung darstellt. Ich surfte munter durch alte Bücher und über neue Zettel, und musste kein Verkaufsexemplar mit zurück schleppen, hatte vom Zweitwerk sogar zu wenig bei, was selten vor kommt. Falls in der Bodensee-Arena ein Auftritt ansteht, kommt die Whiskykurve umsonst rein.
Meinen Aufenthalt bei den Pionieren der Provinz hatten wir so gelegt, dass ein Spiel des sagenumwobenen FC Kreuzlingen besucht werden konnte, der wegen der Fußball-Mafia SFV nur viertklassig agiert. Und siehe da, es sollte im anstehenden Aufstiegsduell noch mehr los sein als sonst: Großer Bahnhof am Sportplatz, denn eine Dreistufentribüne wurde eingeweiht. Der volksnahe FCK-Präsident hielt eine Rede und irgendwer, wahrscheinlich er, schob der Whiskykurve 50 Franken für Bier rüber. Ich durfte mich als DJ wichtig machen, was ich gerne tat, während die Gäste vom FC Balzer aus Lichtenstein als Kanonenfutter herzuhalten hatten, was sie beim 3:3 allerdings unzureichend taten. Langweilig war es nicht, sollte es auch nicht werden.
Die Wanderkurve fuhr nun zum Zweitligaspiel zwischen dem schweizerischen FC St. Pauli, dem FC Winterthur, und den Hilfsfranzosen vom FC Biel/Bienne. Der FCW sicherte sich mit einem verdienten 1:0 den Klassenerhalt. Auch hier hatten es die engagierten Gastgeber so organisiert, dass alle Programmpunkte, die sonst selten berüchtigt werden, an diesem Abend abgearbeitet wurden; von einem abgewehrten Angriff von 25 doofen U21-Hools aus Biel, bis zu einem fröhlich ausufernden Ska-Nighter zwischen den Getränkeständen auf der Schützenwiese. Ja, eine dufte Disko war das, bei der ich auflegen durfte, es aber nicht tat, weil ich dort nicht gelesen hatte und vorher auch nicht wusste, dass hinter dem DJ-Gespann Tumult Winterthur ja auch schon wieder die umtriebige Whiskykurve stand.
Viele Grüße an die eifrigen Eidgenossen.