Patientenverfügung

Vor wenigen Tagen gab es eine kleine Revolution, die passive Sterbehilfe gilt nunmehr nicht als strafbar. Die Angehörigen eines Patienten dürfen dessen mutmaßlichen letzten Willen betonen, ohne Gefahr zu laufen, sich im nachhinein auf der Anklagebank wieder zu finden. Bisher mussten die Ärzte ohne die notwendige Verfügung des Patienten alle lebenserhaltenen Maßnahmen ausschöpfen, auch gegen den Willen der Angehörigen, die das Leid lieber beendet sehen wollten. Es sollen inzwischen zwar schon relativ viele Menschen eine Patientenverfügung für sich abgegeben haben, doch dürfte das die eher Jüngeren betreffen, nicht unbedingt die Älteren, um die es vorerst geht. Ohne Patientenverfügung kann man als Angehöriger zwar den mutmaßlichen Willen des Patienten betonen, doch wenn der Arzt der Meinung ist, dass die Überlebenschancen gegeben sind, zum Beispiel mit einer Magensonde, gerät man schnell in einen Gewissenskonflikt. Wer will in einer solchen Situation gegen das Ärzte-Team agieren und einem gerichtlichen Streit entgegen sehen? Jetzt beim Hausarzt die eigene Patientenverfügung zu erstellen, ist nur unwesentlich aufwendiger als ein Testament zu schreiben, aber es erspart weiteren Stress, den man dann ohnehin zur Genüge hat.

Ich kam mit einigen Generationsgenossen auch auf das Thema Seniorenheime. Wir stellten fest, unsere Mütter wollen am heimischen Herd bleiben, egal ob sie das noch drauf haben. Bloß kein fahrbarer Mittagstisch und ähnliche Gängeleien, immerhin hätten sie den Krieg überlebt. Wir dagegen … Warmes Essen pünktlich vor der Wohnungstür? Prima. Und wenn wir für unsere lieben Alten ein Seniorenheim besichtigen, stellen wir fest, dass das eigentlich was von unserer letzten Pauschalurlaubsunterkunft hat, schon das Foyer mit den Palmen, Wellensittichen und Goldfischen. Ja, in zwanzig Jahren werden die Heimplätze noch knapper. Nur mal so. Passt auf eure Muttis auf.

4 Responses to “Patientenverfügung”

  1. Dan Richter Says:

    Alles gut, solange die Mutti nicht gepflegt werden muss. Wenn man nicht jeden Tag anwesend ist, bemerkt man die Laxheit der Pfleger gegenüber den Einwohnern nicht. Hauptsache, Wellensittiche, Goldfische und Palmen sind da.

  2. baufresse Says:

    Genau. Entweder kommt so macher ohne Pflegestufe nicht rein, weil er nicht genug Geld hat, oder anderes Unheil liegt in der Luft. Regelmäßige Besuche der Kinderchen sind dann ratsam :-)

  3. Porfirio Piggie Says:

    Ich finde es gut das die passive Sterbehilfe nicht mehr strafbar ist. Menschen die sich nach einer erzwungenen Behandlung gesetzlich verordnet quälen müssen, haben doch ihre Menschenwürde verloren. Die Belastung liegt dann auch nicht nur bei den Angehörigen. Nein, die Betroffenen selbst sind es die sich am meisten belasten.

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