Rezensionen in Tagesspiegel und zitty
Dienstag, Juni 22nd, 2010Freund Schmidts Kritik im Tagesspiegel vom 17. Juni finde ich nicht nur deshalb gut, weil Bambule Berlin darin prima weg kommt, sondern weil einiges über die gesellschaftlichen Mechanismen gesagt wird.
“Andreas Gläser, Schöpfer solcher Klassiker, wie “Die SPD müsste mal wieder eine Revolution machen!” und “Im Westen wird das Fleisch knapp”, die in seinem Erstling, der Kurzgeschichtensammlung “Der BFC war schuld am Mauerbau” (Aufbau-Verlag) enthalten waren, hat mit “Bambule Berlin” endlich einen neuen Roman geschrieben. Es geht um zwei Wochen im Leben des jungen Prenzlauer Bergers Borsig im Jahr 1978, die Zeitspanne zwischen zwei Pokal-Begegnungen von BFC Dynamo und 1. FC Union Berlin. Borsig interessiert sich nicht für Fußball, aber “BFC oder Union?”, das war damals eine große Frage. Das Prenzlauer Berg, das hier beschrieben wird, gibt es nicht mehr, man wird natürlich wehmütig, wenn man davon liest. Hoffentlich lesen das viele. Gläsers Bücher waren ja immer überraschend erfolgreich, wohl auch für seine Verlage, die ihn irreführend als “Arbeiterliteraten” geführt haben, so dass er im Literaturbetrieb ein Fremder blieb. Wer Baufacharbeiter gelernt hat, wird nicht ernst genommen, obwohl die Autoren auch beim diesjährigen Bachmann-Wettlesen in Klagenfurt ihre Lebensläufe wieder mit exotischsten Berufen garnieren, vom Heizer bis zum Matrosen, ein ehemaliger Leichenwäscher ist auch stets dabei. In der Realität haben die Literaturbetriebsbeamten aber große Scheu vor Typen, die aus der wirklichen Welt herüberkommen, und nicht aus einer Schreibschule. Gläsers Prosa merkt man an, dass er die sprachschöpferischen Perlen des inzwischen fast ausgestorbenen Proletariats persönlich eingesammelt hat, als Kollege kann man nur neidisch werden auf seine Erfahrungen auf dem Bau. Er selbst ist lieber Schriftstseller, weil das gesünder sei, man mehr Zeit habe, und leichter Frauen kennen lerne. “Bist du noch asozial oder schon berühmt?”, fragen Borsig seine älteren Kollegen im Bauwagen. Für Andreas Gläser, den ungekrönten König des deutschen Prosa-Dialogs, sollte endlich letzteres gelten.” Jochen Schmidt
H.H. von der zitty findet meinen “historischen Roman” gut genug, um ihn zwischen einigen Champions-League-Schreiberlingen im zitty-Beiheft “Buchempfehlungen für den Sommer” anzupreisen.
“Keine Ahnung, welche moralischen Defizite man haben mussste, um in der DDR Fan vom BFC Dynamo zu sein. Schließlich war das der Lieblingsverein des Stasi-Chefs Erich Mielke, der schon damals dafür bekannt war, dass Spiele geschoben wurden. Die Guten, die Treuen und die Tapferen pilgerten auch damals schon in die Alte Försterei nach Köpenick, zum FC Union, den Eisernen. Andreas Gläser, ehemaliger Tiefbauer, Lesebühnengründer und Fanzine-Autor, legt nach seinen Story-Sammlungen hier seinen ersten Roman vor. Und der dreht sich - wie könnte es ander sein? - um Fußball in der DDR, um die 78er Pokalderbys zwischen dem Stasiverein und den Schlosserjungs. Und natürlich ist es ein Heimatroman über den Prenzlauer Berg geworden, lange Zeit bevor Schwaben und Rheinländer hier ihre Bionade geschlürft haben. Manchmal nerven Gläsers betont prollhafte Attitüde, seine Dialekt-Dialoge und man merkt deutlich, dass dem Autor die kurze Form mehr leigt. Aber als Zeitzeugenbericht aus einem untergegangenen Land ist “Bambule Berlin” schon mehr als interessant.” H.H.
Habe eben mitgeteilt bekommen, das Buch geht in die 2. Auflage ![]()