Kaninchenlegen
Ob ich irgendwelche Vorlieben oder Gewohnheiten hätte, bevor ich auftrete, wurde ich einst von einer Tagesspiegel-Frau gefragt. Nein, sagte ich, ich stolpere eher vorzugsweise in die Lesung hinein, ohne mich vorher gruseln zu müssen. Ich hätte zum Beispiel keinen Bock darauf, zwei Stunden vor der Lesung anzutanzen, bloß für einen zweiminütigen Mikro-Test, mir danach aus Langeweile ein Fass Bier einzutrichtern und in die Veranstaltung schon so breiig einzusteigen … Gestern wollte ich in der Alten Kantine nur zukucken, aber da weder Robert N. noch Iris N. erschienen waren, der liebe Dan R. aber zufällig meinen Roman bei hatte, sprang ich ein und las drei Ausschnittchen vor. Ich sag mal, das Publikum war nicht ganz so interessiert wie das am Vorabend, aber ich hatte noch den Schwung von dort und sang sogar ein Liedchen als Verabschiedung in die Pause. Aus Bambule Berlin so ausgiebig vorzulesen, das hatte ich für meinen nächsten offiziellen Termin beim Kantinenlesen gar nicht vor, denn wie ich schon verraten habe, halte ich Romanautoren auf Lesebühnen für fehl am Platze, bis auf manchmal. Naja, morgen soll es regnen. Kann ich vielleicht die erste von drei gefragten neuen Storys schreiben.
Zugabe: Freund Willmann beim Weltexpress.