Archive for Dezember, 2009

Klatschpappen-Power

Donnerstag, Dezember 31st, 2009

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Gestern erschien die # 110 vom EHC-Eisbären-Fanzine “Der Eis-Dynamo”, und zwar erstmals mit “Gläsers Globus”. Interessant auch die “Liebesgrüße aus Russland”, “Im Welli brennt noch Licht”, “Fußballträume” … Bezug nach alter Schule, per Handverkauf vor der Halle und über den Pressevertrieb.  

Klassenbrüder sind Waffenbrüder. Freitag, der 20. Eisbären gegen Düsseldorf. Mal die neue Mehrzweckshalle an der Wahrschauer ankucken, und die Fan-Bögen unter den S-Bahngleisen, wo erstmals ´n Bier für ´ne Mark und ´ne Schrippe für ´n Groschen verkauft wird. Als Fünfprozentberühmtheit ist mein Lebenslauf ja ´ne Aneinanderreihung von Einweihungspartys, von der Wiedereröffnung des brandenburgischen Kaiserbahnhofs bis zur Einweihung des Seouler Art Space Yeounhui. Naja, prima, diese Fan-Bögen! Vom gewölbten Deckengemäuer hängen Vereinsutensilien herunter, der niedrige Durchgang zum hinteren Raum erinnert mich an einen Potsdamer Studentenkeller, wo sich bei Konzerten die Besucher die Kugeln lädieren. Vorsichtshalber trinken viele Eishockey-Besucher ihr Bier draußen. Ein Topthema ist Herr Weidner, der per einstweiliger Verfügung den kommerziellen Vertrieb von Obertrikotagen mit einem Schriftzug unterbindet, weil der zu sehr an das Logo seiner Combo erinnert. „Böhse Ossis.“ Das „h“ sei geschützt. Na, immerhin sind jetzt die meisten Ossis halbwegs frei. Weidner soll sich lieber bemühen, sein einsilbiges Anti-Gehabe zu überwinden, denn im Gegensatz zu solch stilbildenden Truppen wie Kraftwerk oder Einstürzende Neubauten, deren musikalische Nachahmer meist nicht an das Original heran reichen, sind all die Bierpatrioten und Troopers oft authentischer als die Onkelz. Jedenfalls besuche ich alle Jubeljahre ein Spiel der Hohenschönhausener Eishockeycracks, erstmal wohl so um 1977, Dynamo Berlin gegen Weißwasser, mit 777 Zuschauern im unbeheizten Wellblechpalast, schön auf Holzbänken herum gerutscht. Später dann, mit 2222 Besuchern gegen AIK Stockholm. Ich finde, beim Eishockey muss man frieren. Nach der Wende geht es heißer her, Hohenschönhausen gegen Charlottenburg, zu so was rennen meine BFC-Kumpels hin, denn Klassenbrüder sind Waffenbrüder. Mir ist dieser überdachte Radau mitunter zu laut, zum Beispiel bei meinem letzten Besuch im Wellblechpalast, als der EHC gegen Franfurt verliert. In der Berliner Zeitung steht am Montag darauf, es sei ziemlich ruhig gewesen. Gibt wohl keinen Pauker auf der Pressetribüne.Freitag, der 20. Mal die große Mehrzweckhalle ankucken und über die Fahrstühle und Rolltreppen staunen. Jawohl, das ist ein angemessener Service für die Besucher eines Howard Capendale-Konzert. Nur die Eishockey-Kurvenfraktion kommt zu kurz. Die Hungrigen laufen beim Drittelpausenrempeln Gefahr, ihre soeben erworbenen Grundnahrungsmittel in der Masse verschwinden zu sehen. Deshalb bildet die Fan-Bögen-Gruppe vor dem V.I.P.-Eingang der Halle ein Spalier, wedelt mit Transparenten und fordert Tische und Stühle. Meinungsäußerungen ohne Eskalationen. Großer Bahnhof für kleine Verbesserungen. Der langhaarigste Ehrlich-Boy besorgt mir eine Zauberkarte, mit der ich überall rein komme, meint er, aber Benjamin bemerkt, das mit so einer Karte noch nie ein Mensch um den Einlass in den Fan-Bereich gebeten haben dürfte. Richtig. Ein schwarzer Mann verwehrt mir den Einlass. Mir sind die Ticket-Markierungen nicht so geläufig: A, E und M, ja; C und V aber nicht …? Egal, der Platz, links oben neben der Fan-Kurve, ist auch in Ordnung. Es ist ein besonderes Spiel, eines mit drei Pausen, weil eine Glasscheibe zu Bruch geht. Der EHC führt 1:0, liegt zum Ende des 1. Drittels aber 1:3 zurück. Wahrscheinlich bekomme ich Hallen-Verbot, in Anbetracht der traditionelle Niederlage während meiner Anwesenheit. Es scheint unter den Fans auch aufwieglerischer als sonst zuzugehen. In der 35. Spielminute verlassen viele die Kurve, sie strömen hinter die VIP-Tribüne, der Bereich ist schnell überbevölkert, es wird skandiert: „Wir wollen Tische und Stühle!“ So eine Parole habe ich noch nie gehört. Die Security wirkt entspannt, einige Fans poltern: „Wir haben die Schnauze voll!“ Einer kaut beim Singen an seiner Wurst. Vielleicht wird demnächst eine derartige Aktion sogar als Hungerstreik angekündigt. Zum Ende des Spiels spüre ich bei den EHC-Fans angesichts der 3:7-Niederlage keine große Enttäuschung. Kann ja mal passieren, die Saison ist lang, und wenn man amtierender Meister und Tabellenführer ist, egal. Eishockey ist oft wie Klimpern. Die Fans konzentrieren nach dem Schlusspfiff auf die Choreografie, die sie zu Ehren des langjährigen Co-Trainers Hartmut Nickel bewerkstelligen, nachträglich zu dessen 65. Geburtstag. Eine riesige weinrot-weiße Folie wird über die gesamte Kurve gezogen. BFC-Oliver meint, wir müssen das Ding mitnehmen, um es im Sportforum zu Oberliga-Ehren kommen zu lassen. Aber das verschieben wir, weil wir keinen Bock haben, die Folie mit ins YAAM zu YEBO zu schleppen, wo Herr Weidner die wenigen Eingeweihten mit seinem Posaunen-Spiel beeindruckt. Er ist schon ein dufter Typ.

Heimat, Heimweh, Heimsuchung

Montag, Dezember 28th, 2009

heimat, heimweh, heimsuchung 

Sieht schick aus, liest sich bestimmt auch gut, die Anthologie, die offiziell erst im Januar 2010 erscheint. Da sind Sterne und Säufer drinnen, Nazi-Jäger und Geisterschreiber, und bei aller Eintracht, alles ohne Kommerz, leider. Hier mal der Auftakt meiner Single, “Heimweh nach dem Kurfürstendamm”, die sich nicht auf meinen Alben findet: 

Sommer 1990. Ich saß in Carolas Lichtenberger Altbau, nachdem ich ihr beim Umzug geholfen und einen Papagei an die Wand gemalt hatte, worauf sie sich mit Buletten revanchierte und ich auf einer kaute, bis plötzlich mein Kiefer knackte. Carola fragte: „Fällst du jetzt  auseinander?“ Mir war nicht zum Antworten zumute, lieber wollte ich den Bissen ausspucken, bevor sich mein Gesicht selbstständig und einseitig liftete und mein Backbordkiefer auf dem Hemdkragen landete. Ich hielt die Klappe, Carola auch, gute angehende Beziehung. Trotzdem wollte ich nach Hause, in meinen Charlottenburger Neubau. Woher und seit wann kannte ich Carola und ihre Busenfreunde und Umzugshelfer überhaupt?

Wetten, dass …?

Samstag, Dezember 26th, 2009

TippKickBaufresseCover

Bei bwin und ähnlichen Zockerbuden erscheint es mir am sinnvollsten, in die Live-Wetten rein zu gehen und sich allenfalls auf Minimalvorhersagen einzulassen. Darauf, dass in der 1. Hälfte mindestens ein Tor fällt, egal für wen. Das ist für die Akteure auf dem Rasen oft schwer genug. Anfangs liegt die Quote nur bei 1,20, steigt aber schnell auf 1,50, wo ich einsteige. Zwei Topps fangen einen Flopp auf, aber eher in spanischen und deutschen als in rumänischen und italienischen Spielen.

Generell sollte man von den Spielern nicht allzu viele Tore erwarten, egal wie favorsisiert die sein mögen. Tore verhindern scheint leichter zu sein als Tore zu erzielen. Vorhersagen  sind selten möglich, und wenn, dann sind die Quoten so niedrig, das die Pleiten nicht aufgefangen werden.  In den meisten Spielen geht es halbwegs ausgeglichen zu und minimale Begebenheiten entscheiden. Team A dominiert das Spiel, aber der Ball klatscht dreimal an den Pfosten, wogegen er bei Team B zweimal zwischen ihnen landet. Vorhersagen auf Heim- oder Auswärtssiege sind meistens Quatsch. Und ”über 2,5 Tore”-Wetten dürfen schon fast als utopisch betrachtet werden. Oft genug fallen maximal zwei Tore in 90. Minuten. Das rechnet sich auf Dauer nicht.

Mein Wort zum Jahre 2010: “Über 0,5 Tore in Halbzeit 1″. Und wer sich darauf beschränkt, auf den jeweiligen Tipp nie mehr als ein Drittel seines Guthabens zu setzen, kann am Kiosk sein Bier selber bezahlen.